Zwerg zwischen Himmel und Erde

Andorra ist weitaus weniger bekannt als viele andere Kleinstaaten Europas. Auf ihrer Reise entdeckte Alexandra Brzozowski den Charme des kleinen Landes. Der erste Teil unserer Ferienserie „Furios auf Reisen“

Zwischen Bergen eingekesselt: Andorra. Foto: Alexandra Brzozowski

Zwischen Bergen eingekesselt: Andorra. Foto: Alexandra Brzozowski

Umgeben von gewaltigen Felsmassiven, zerfurcht von tiefen Schluchten führt mein Weg nach Andorra auf verschlungenen Bergpässen. Um das kleine Land, das nicht zur EU gehört, zu erreichen, fahre ich mit dem Auto auf einem schmalen Pass von der spanischen Seite aus dem Himmel entgegen. Am Fahrbahnrand fehlen zeitweise die Leitplanken, nur ab und zu wurden sie durch Steine zur Begrenzung ersetzt. Ein Auto hindern die am Absturz natürlich niemals. Nicht gerade das, was manche unter einer entspannten Fahrt verstehen würden.

Der Pyrenäenstaat Andorra ist ein Land mit vielen Eigenheiten, das ausländische Besucher schon einmal ins Staunen versetzen kann. Eingepfercht zwischen Frankreich und Spanien beherbergt das knapp 500 Quadratkilometer kleine Land etwa 70.000 Menschen. Bereits beim Passieren der Grenze fällt auf, dass die Schilder auf Català sind. Andorra ist weltweit das einzige Land mit dieser Landessprache. Die spanische Nachbarregion Katalonien kämpft seit Jahren um Unabhängigkeit und für Català als Landessprache. Sie muss weiter darauf hoffen, irgendwann einmal gleichzuziehen.

Zwischen Touristengewusel und unberührter Natur

Zudem ist es das einzige Land der Welt, in dem zwei ausländische Amtsträger zusammen die Funktion des Staatsoberhauptes ausüben: der spanische Bischof von Urgell und Frankreichs Präsident Francois Hollande. Dies wird mir in aller Breite auf dem ortsansässigen Postamt erklärt, wo ich mich entscheiden darf, ob ich meine Postkarten der spanisch-andorranischen oder der französisch-andorranischen Post anvertraue. Böse Zungen behaupten, es gäbe Unterschiede in der Zustellschnelligkeit. Ich wundere mich über eine Frau, die ohne zu zahlen ihre Post abgibt. Eine weitere Kuriosität – für Einheimische ist die Postbeförderung kostenlos.

Mit Andorra la Vella erreiche ich die höchstgelegene Hauptstadt Europas. Seit Jahren trägt das Land den Titel eines Einkaufs- und Steuerparadieses. Große Einkaufszentren und eine niedrige Umsatzsteuer locken nicht nur im Sommer eine Menge Touristen an. Der kleine Pyrenäenstaat ist auch ein beliebtes Wintersportparadies. Wenige Minuten vom Zentrum entfernt ist man in einer fast unberührten Natur mit anmutendem Bergpanorama und klaren Seen. Fernab vom Trubel kann man Wandertouren durch erstaunliche Landschaften wagen und in kleinen Dörfern noch ein Stück von dem Andorra kennenlernen, an dem der ungebremste Konsum noch nicht Einzug gehalten hat.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Django sagt:

    Wieso “kämpft” Katalonien um die Landessprache Katalanisch? Katalanisch und Spanisch sind dort gleichberechtigte Amtssprachen. Im Alltag geht der Anteil von Katalanisch allmählich zurück, laut Wikipedia vor allem wegen der Zuwanderung aus Lateinamerika.

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