Mehr als tausend Worte | FURIOS Online

Mehr als tausend Worte

In der Ausstellung „Weit Weit Hier“ bringen geflüchtete Kinder ihre Erlebnisse und Erinnerungen künstlerisch zum Ausdruck. Roxanne Honardoost hat sie sich die vielen verschiedenen Bilder angeschaut.

Präsentation der Bilder im Harnack Haus. Foto: UNIted

Ein gelbes Kleid, eine goldene Krone und ein Grinsen im Gesicht. Das Bild der elfjährigen Julia sticht auf ihrer Fotowand besonders hervor. Der Anlass für dieses Bild war ihr besonderer Erfolg in der Schule. „In unserer Familie ist es sehr wichtig, gut in der Schule zu sein“, erzählt Aziz, einer von Julias jüngeren Brüdern. Seine Worte erfüllen die Intention der Abschlussausstellung von „Weit Weit Hier“ im Harnack Haus. Geflüchtete Kinder aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und dem Jemen versuchten innerhalb dieses Projektes ihre Erfahrungen von verlorener Heimat und Neuorientierung im für sie noch fremden Deutschland zu verarbeiten. Die Veranstaltung wurde vom Bildungsverein UNIted organisiert, der sich für die Integration und Bildung geflüchteter Kinder einsetzt. Als Projektpartner unterstützte die FU sie.

Die Ausstellung zeigt das Endergebnis sechsmonatiger Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, in der sie wöchentliche Foto- und Zeichenworkshops besuchten. Kinder, vor allem die jüngeren, haben zu Bildern einen einfacheren Zugang und können sich auf diese Weise besser ausdrücken. Gerade deshalb wurde bei den Zeichenworkshops auch viel mit Tusche gearbeitet. Es ist ein sehr expressives Mittel, mit dem man schnell seine Gefühle auf das Blatt transportieren kann. Auf den Fotos wurde gezielt versucht den Alltag in Deutschland authentisch darzustellen. Es geht darum zu zeigen, was sie hier interessant finden und womit sie sich identifizieren. Unter den Bildern finden sich keine Beschriftungen. Stattdessen soll der Kontakt zwischen den Besucher*innen der Ausstellung, durch direkte Gespräche hergestellt werden.

Autos, Panzer und Hände

Fahims Wand gibt einen guten Eindruck darüber, wer er ist. Sie ist geschmückt mit Fotos von Autos, Berliner Gebäuden und ihm selbst. Er ist 17 Jahre alt und hat seinen Blick auf das Hier in Deutschland gerichtet. Im Kontrast dazu stehen Zeichnungen von Panzern und toten Menschen anderer Kinder. Die zeigen, dass einige Kinder noch schwer von den traumatisierenden Geschehnissen belastet sind.

Inmitten all dieser Geschichten findet sich auch ein Bild von zwei Händen auf schwarzem Grund. Es trägt den Titel „Zwei Hände“ und wurde von der siebenjährigen Bissan gemalt. Sie erzählt strahlend davon, dass sie auch außerhalb des Workshops gerne malt und verrät ihre Lieblingstechniken. Was Bissan vor allem während des Projekts mitgenommen hat, ist der Spaß an der Kunst. „Ich glaube, ich werde mal Künstlerin!“

Fragen erlaubt

Da die FU bei dem Projekt mitgewirkt, ergreift auch Oliver Janz, Dekan des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, kurz das Wort und erklärt, warum die FU solche Projekte unterstützt. Sie wollen den Kindern zeigen, dass Deutschland eine Aufnahmegesellschaft ist und dass ihnen die Türen zu den höchsten Bildungsinstitutionen offenstehen. Mitorganisatorin Deniza Petrova sagt dazu: „Mit dem Projekt wollen wir gerade an einem Lern-Ort wie der Universität positive Erfahrungen für die geflüchteten Kinder schaffen.“

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Was ist aber mit zehntausend Worten? Durch das Nachfragen und Reden mit den Kindern lernt man sie nämlich erst richtig kennen. Man erfährt, dass einige bald ein Geschwisterchen erwarten, einige gerne in den regulären Schulunterricht wollen und, dass eines der Kinder am nächsten Tag Geburtstag hat. Die Idee einer interaktiven Ausstellung hat das Ziel erfüllt.

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