Students unit(ät): Ein Chor, der verbindet

Die „Unität“ bringt Studierende aller Hochschulen zusammen – und Magie auf die Bühne. Eva Hofmann hat sich unter die Singenden gemischt.

Ein Teil der „Unität“ bei der Probe für das Europakonzert. Foto: Damian D. Martinez Dreyer

One, two… one, two, three, four! Wo eben noch konzentrierte Stille war, erklingen die ersten Harmonien. Feierlich singt der Chor „Freude schöner Götterfunken“. Die europäische Hymne. Es ist ein echter Gänsehautmoment, wenn 270 Sänger*innen den Raum zum Klingen bringen. Ein letzter leiser Ton, dann setzt der Beat ein. Die Sänger*innen fangen an zu tanzen. Zu Sister-Act-Klängen fordern sie „Geh wählen“ und „Mach dein Kreuz“. Es ist die letzte Probe vor ihrem Auftritt am Brandenburger Tor am Tag der Europawahl.

Kreative Ideen und Verbindungen fürs Leben

„Wir wollen mit unserer eigenen Interpretation der Europa-Hymne ein Zeichen für die Demokratie setzen“, erklärt Katharina Hajek. Sie und Chorleiter Sven Ratzel sind die Organisatoren hinter „Unität“. Ganz “berlin like” haben sich die beiden vor fünf Jahren zufällig auf der Straße getroffen. Sie sei auf der Suche nach einem Chor gewesen, der ohne lästige Aufnahmeverfahren für alle Studierenden offen ist, erzählt Katharina. Weil es den damals nicht gab, gründete sie gemeinsam mit Sven einen eigenen Chor. Mit Unterstützung des Studierendenwerkes starteten sie das Projekt für alle Berliner Hochschulen. „Uns war wichtig, dass die Trennung der Unis aufgehoben wird und wir einen Raum für alle schaffen, die Lust am Singen haben“,  führt Katharina aus.

Zu ihrer ersten Chorprobe, die noch provisorisch im Foyer der TU-Mensa stattfand, kamen 200 Interessierte. Viele von ihnen sind bis heute geblieben. Besonders stolz sei die Organisatorin auf die Freundschaften und Verbindungen, die sich zwischen den Chor-Mitgliedern entwickelt haben. Eine Teilnehmerin ergänzt: „Stimmt, ich habe hier echt viele gute Freunde kennengelernt. Und hast du schon erzählt, dass Unität zwei Chorkinder und eine Hochzeit hervorgebracht hat?“ Neben Verbindungen fürs Leben schaffe das Projekt aber auch Ideen, die weit über den musikalischen Bereich hinausgehen. Der Chor besitzt mittlerweile ein eigenes Film- und PR-Team und ein Kollektiv, das regelmäßig Aktionen und Ausfahrten plant: Unter anderem das berühmte Konzert am Ende jedes Semesters, Auftritte im öffentlichen Raum oder die jährliche Chorfahrt für alle Mitglieder der “Unität”.

Besser als das Original

Im musikalischen Bereich arbeitet der Chor eng mit mehreren DJs zusammen, die für die “Unität” eigens produzierte Musik bereitstellen. Der spannende Mix aus harmonisch klingenden Stimmen und treibenden Beats gibt den Pop-Songs des Chors so viel Gefühl, dass sie fast besser klingen als im Original. Live werden die Sänger*innen von einer Band unterstützt, die den Songs auf der Bühne noch etwas Bass gibt. So viel Engagement erfordert eine Menge Organisation. Und Motivation, die bei den Proben deutlich spürbar wird. Wo die herkommt? „Oh, die kommt von ganz allein, weil sich hier jede*r wohlfühlt und Bock hat, seinen Teil zum Projekt beizutragen.“ Spätestens wenn einem dann die Chorversion von Ed Sheerans “Castle on the Hill” Gänsehaut über den Rücken jagt, merkt man: Die Arbeit lohnt sich.

Der Studierendenchor “Unität” probt immer mittwochs von 18:30 bis 21:00 Uhr im Freiraum der Hardenbergstrasse 45. Anmeldung zum Mitmachen ist immer zu Anfang des neuen Semesters möglich.

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