Von Casanova nichts gelernt

Sein Jagdrevier: die Rost- und Silberlaube. Sein Ziel: Studentinnen verführen. Seine Methode: ein ganz ausgefeilter Flirtspruch. Charlotte Schmid war eine der Umgarnten.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Geht Frau dieser Tage durch die FU und bleibt zufällig vor einer der Stellwände stehen, so kann es vorkommen, dass man von einem großen, jungen Mann mit blauem Pulli angesprochen wird. Und zwar mit seiner ganz speziellen Flirtmethode: „Entschuldigung, kannst du mir etwas über dieses Plakat sagen?“ – „Ne, ich kenn mich mit der Editionswissenschaftsringvorlesung nicht so aus“ – „Aha, aber vielleicht über dieses hier?“ Die Irritation ob dieser willkürlichen Fragerei übergeht er gekonnt. Denn er will letztendlich nur eins: Gemütlich einen Kaffee trinken gehen, mal so ganz privat, zu zweit.

Natürlich ist der erste Schritt beim Flirten nicht leicht. Und zwischen Bücherregalen oder vor der Nudelauflauf-Ausgabe in der Mensa die große Liebe zu finden, passiert auch nicht mal eben so hoppladihopp. Aber Flirten geht hierzulande doch ganz anders, oder? Wir Frauen mögen keine plumpen Anmachen! Zuerst muss alles erstmal mit einem netten Lächeln beginnen, dann kann man vielleicht weitersehen. Und direkt angesprochen zu werden… Nee! Das geht gar nicht! Der zweite Schritt ist nämlich ein langes Ignorieren. Wer Interesse zeigt, hat schon verloren. Is’ dämlich, klar. Is’ aber so.

Noch ein Tipp – besonders an den netten Herrn mit dem blauen Pulli: Niemals mehrere Frauen mit dem gleichen Anmachspruch angraben. Denn die meisten Frauen erzählen sich einfach ALLES! Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass sich eine „neue“ Flirtmethode schnell rumspricht. Die Autorin dieser Glosse hatte erst am Tag vorher von ihrer Mitbewohnerin vom Silberlaubencasanova gehört und konnte sich deshalb das Schmunzeln kaum verkneifen, als er auch sie ins Visier nahm.

Außerdem: Wer nicht versteht, dass, wenn auf die Frage „Willst du mir nicht deine Mailadresse geben?“ mit „Ich habe leider keine Mailadresse“ geantwortet wird, dies eine Abfuhr bedeutet, der sollte vielleicht nochmal überlegen, ob er schon bereit ist für die hochkomplexe Art des Uni-Flirts ist. Wie einfach war es doch früher, als die in der Unterrichtspause heimlich zugestecken Zettelchen eine klar strukturierte Welt verhießen: „Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja! Nein! Vielleicht.“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

Ähnliche Artikel

1 Response

  1. J sagt:

    😉 – alles beginnt mit einem Lächeln

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.