Nackt geht immer

Die Tiermediziner der FU entblößen sich für einen Kalender. Sie wollen damit ihren Abschlussball finanzieren. Nicht sehr originell, aber kein Grund zur Empörung, findet Alexandra Brzozowski.

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Nackte Haut zeigen und damit großes Geld machen? Ja! Zumindest, wenn es nach den Tiermedizinstudenten der FU geht. Sie verkaufen in diesem Wintersemester einen Kalender, in dem die männlichen Veterinäre spärlich bekleidet posieren. Für fünf Euro werden die knapp 500 Exemplare des „VetMen 2016“-Kalenders zu erwerben sein. Die Studierenden wollen so ihren Abschlussball zum Staatsexamen finanzieren. Eine Idee, die zunächst vielleicht etwas gewagt klingt.

Die so gewagt aber doch nicht ist. Immerhin ist dieser Jahrgang schon der zweite, der durch den Kalenderverkauf Geld in die klammen Kassen spülen möchte. Dass die Veterinärmediziner auch in diesem Jahr auf nackte Haut zurückgreifen, liegt sicherlich auch an einer einfachen Tatsache: Es funktioniert.

„Sex sells“ – auch an der Uni

Schließlich verkauften ihre Vorgänger alle 300 Exemplare ihres Kalenders und konnten somit ihren Abschlussball finanzieren. Auch Studierende der Greifswalder Universität zogen sich im vergangenen Jahr aus – vor heruntergekommenen Gebäuden, um Geld für die Reparaturen einzunehmen. Das Konzept ist also altbekannt und bewährt.

Das Motto „Sex sells“ wirkt also nicht nur in der Unterhaltungs- oder Werbebranche. Für Kritiker stellt sich jedoch womöglich die Frage, ob es wirklich nötig ist, das Konzept auch in die Universität zu importieren. Halbnackte Körper gehören zu vielen Werbekampagnen, sie werden häufig genutzt, um Produkte zu verkaufen. Durchaus fraglich, ob ein weiterer Beitrag zu dieser Werbekultur notwendig ist.

Genderdebatten nur in eine Richtung?

Dass in diesem Fall Bilder von männlichen Körpern verkauft werden, sollte davon nicht ablenken. Hätten sich Studentinnen dieser Verkaufsstrategie bedient, hätte das schließlich aller Wahrscheinlichkeit nach für Entrüstung gesorgt. Ein enormer Shitstorm wäre über sie ergossen worden.

Kritiker würden nicht nur gegen die Frauen selbst wüten und fragen, warum sie sich denn dem billigen Narrativ unterwerfen. Sie würden auch diejenigen anklagen, die an dem Kalender Gefallen fänden. Kaum denkbar, dass dieser als eine charmante Art und Weise, sich den Abschlussball zu finanzieren, aufgefasst worden wäre. Dass sich ähnliche Kontroversen nicht ergeben, wenn Männer die Hüllen fallen lassen, ist bedenklich.

Humor schadet nicht

Zumal es natürlich auch diverse andere Möglichkeiten gäbe, das Geld für die Großveranstaltung einzunehmen. Vor allem in den vergangenen Jahren ist Crowdfunding in solchen Situationen eine beliebte Option geworden. Wenn selbst für das krisengeschüttelte Griechenland online Geld gesammelt werden kann und tatsächlich passable Summen zusammenkommen, sollte dies auch für einen Abschlussball machbar sein. Außerdem geht es auch auf die klassische Art: Kuchen verkaufen oder Socken stricken und verticken.

Warum aber ineffiziente Methoden wählen, wenn es auch einfach gehen kann? Den Tiermedizinern ist nicht zu verdenken, dass sie auf ein erprobtes Prinzip setzten. Und wer ihren Kalender tatsächlich durchblättert, bekommt schnell den Eindruck, dass dieser mit viel Spaß, Charme und vor allem Humor hergestellt wurde. Natürlich steht er in einem gesellschaftlichen Kontext, der nicht verleugnet werden sollte. Trotzdem darf man den Studierenden am Ende einen gelungenen Abschlussball gönnen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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