FU-Student des Landes verwiesen

Wegen seiner kritischen Recherche musste ein FU-Student Russland vorzeitig verlassen. Von Antonia Böker.

Russische Aktivist*innen klären über den Bau einer Kupfermine in ihrer Nachbarschaft auf.
Foto: Lukas Latz

Ein Student der Freien Universität ist von der langjährigen FU-Partneruni in St. Petersburg wegen eines Zeitungsartikels exmatrikuliert und des Landes verwiesen worden, berichtete die Moscow Times. Mittlerweile ist er zurück in Deutschland und hat angekündigt, klagen zu wollen. 

Studieren, nicht recherchieren!

Lukas Latz studiert im Master Osteuropastudien. Im August 2018 war er nach Russland gereist, und hatte dort für seine Masterarbeit zum Thema „Umweltaktivismus in Russland“ recherchiert. Im Zuge dieser Recherche hatte er für die deutsche Wochenzeitung „jungle.world“ über den Kampf russischer Aktivist*innen gegen ein geplantes Kupferbergwerk einen Artikel geschrieben. Einwohner*innen seien dort besorgt wegen der schlechten Luftqualität. Wie schwierig es für sie sei, sich gegen die mächtigen Oligarch*innen durchzusetzen, die an der dortigen Industrie verdienen, war Gegenstand des Artikels. 

Wegen diesem seien zwei Polizeibeamte bei ihm zu Hause erschienen, um ihn über zwei Stunden zu verhören, so Latz. Zunächst habe er eine Geldstrafe zahlen müssen. Ihm wurde vorgeworfen, gegen die Auflagen seines Visums verstoßen zu haben. Latz habe lediglich ein Ausbildungs-Visum erhalten, keines für journalistische Tätigkeiten. Zwei Wochen später habe ihn schließlich die Staatliche Universität St. Petersburg über seine Exmatrikulation informiert. Man gab ihm sieben Tage, um das Land zu verlassen. 

Bedrohung für freie Lehre und Forschung

Auf die Anfrage der Moscow Times erklärte die Hochschule nur, Latz sei auf Grundlage universitärer Austauschprotokolle verwiesen worden. Mehr Details wolle man nicht liefern. Der Student gibt an, ihm sei kein offizieller Grund genannt worden. Die Leitung des Osteuropainstituts (OEI), an dem Latz an der FU studiert, äußerte sich am vergangenen Dienstag zum Umgang mit dem FU-Studenten. Dort heißt es, Latz sei behördlich unter Druck gesetzt worden, „mit dem offenkundigen Ziel, ihn des Landes zu verweisen“. Dabei habe es weder eine Anhörung, noch eine Rücksprache mit der Freien Universität gegeben. Das OEI betrachtet die Ausweisung eindeutig als Reaktion auf die kritische Recherche seitens des Studenten und damit als Bedrohung der Freiheit von Forschung und Lehre. Es fordert deshalb, dass für Lukas keine weiteren Probleme erwachsen.

Autor*in

Antonia Böker

Antonia Böker ist pathologische Klugscheißerin. Deswegen probiert sie es jetzt mal mit Journalismus.

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3 Responses

  1. Jean-Pierre T. sagt:

    Man darf gespannt sein, ob die Uni-Leitung den Mumm aufbringt, hier deutlichere Worte zu finden. Die lasche Reaktion, diesen Fall einfach so hinzunehmen, ist jedenfalls enorm peinlich und gegenüber dem Betroffenen beschämend unsolidarisch.

  2. N. sagt:

    Ungeheuerlich! Es scheint an der Zeit, von Zeit zu Zeit die Partnerunis kritisch zu hinterfragen. Und es scheint, es wäre spätestens nun für die FU Zeit zu handeln.

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