Einbahnstraße Sofamensch

Wer in der Ferien ins Hotel Mama eincheckt, dem verkümmern jegliche Selbsterhaltungsinstinkte. Wird einem ja alles abgenommen. Auch Bente Staack hat mal wieder kräftig nichts getan.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Die Klausuren läuten das Ende des Semesters ein. Dann, endlich: Ferien. Okay, wer Pech hat, schreibt noch eine Hausarbeit. Wer das schweißtreibende, Nächte kostende Projekt schnell hinter sich gebracht hat, darf sich auf die Schulter klopfen. Endstation: Zuhause. Nicht das neue Berlin-Metropolen-Zuhause, sondern ein 1000-Seelen-Dorf. Oder ein Städtchen, das so viele Einwohner hat wie die FU Studenten. Einmal Heimaturlaub zum Mitnehmen, bitte.

Man steigt aus dem Auto und der Geruch von Jauche umspielt sanft die Nase. Ah, der Duft der Heimat oder auch: Eau de Landleben! Brummende Trecker und zwitschernde Vögel ersetzen Autogehupe und das Getrappel auf den Unifluren.

Die folgenden Wochen lassen einen schnell vergessen, dass man mittlerweile studiert, sich selbst um die Miete kümmert, um das Einhalten von Fristen, darum, dass der Kühlschrank gefüllt ist. Man wird wieder zum Kind, teilweise jedenfalls. Wirft man die Wäsche in den Wäschekorb, verschwindet sie wie von Zauberhand, ein faszinierendes Phänomen, immer wieder! Soll es abends auf die Piste gehen, ein bisschen Rausch inklusive – was sich in Gegenden ohne öffentlichen Nahverkehr als durchaus schwierig erweisen kann – wird dies dank Eltern doch nicht zur Mission Impossible.

Hach ja, Bequemlichkeit. Alte Schulfreunde treffen, nichts tun und den lieben langen Tag Serien gucken, was von Mama und Papa ein „Was ist das denn schon wieder für ein Kram“ und kritische Seitenblicke erntet. Nachts um zwei schlafen gehen und aufstehen, wenn alle schon ausgeflogen sind. Dank elterlicher Fürsorge bleibt einem das Abrutschen ins Junkfood-Milieu erspart.

Doch das gemächliche Räkeln im Whirlpool der Faulenzerei fordert natürlich fernab der Uni seinen Tribut: Schon bald ist von den Stöckelschühchen, die sich dank „Bibflirt“ und Co. in der Uni tummeln, nichts mehr zu erblicken – Jogginghose ahoi! Und ehe man sich’s versieht, ist man auf der Einbahnstraße „Sofamensch“ unterwegs, ohne Ausfahrten in Sicht. Oh, das wollte man doch gar nicht! Ein halb ehrlich gemeinter betroffener Blick auf ambitionierte To-Do-Listen und ein kleines Gefühl der Reue nistet sich bei einem ein.

Doch, glücklicherweise – bei all dem süßen Nichtstun hat man gar nicht gemerkt, wie die Kalenderblätter fielen und das nächste Semester schon vor der Tür steht. Jedem, der ein schlechtes Gewissen hat, sei getrost versichert, dass er sich um Langeweile und zu viel Freizeit jetzt keine Sorgen mehr machen muss. Wer aus dem Berg aus Vorlesungen, Terminen, Kursen, Einkäufen, Überweisungen und Klausuren um Luft ringt, dem ist zu gratulieren, wenn er das Wort „Ferien“ sehr ernst genommen hat. Denn von nun an heißt es wieder: Pauken und sich nach freier Zeit alle zehn Finger zu lecken.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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