Was ausländische FU-Bewerber erleben

Renée Zajic: „Eine halbe Stunde Warteschleife und dann absolut keine Ahnung“

FU-Studentin Renée Zajic. Foto:privat

FU-Studentin Renée Zajic. Foto:privat

Frühjahr 2014 – Auf meine ursprüngliche Begeisterung, mich an der FU zu bewerben und aus dem kleinen Österreich in die deutsche Metropole Berlin zu ziehen, folgte erst einmal ein Dämpfer namens „uni-assist“. Das deutsche Bewerbungsportal für ausländische Hochschulbewerber war der Anlass für mehrere Wochen Stress und blank liegende Nerven. Steigern konnte das allein die unglaubliche Tatsache, dass ich für diesen Prozess auch noch zahlen musste. 43 Euro kostete es mich, über „uni-assist“ einen Platz an der FU zu beantragen. Zuerst weigerte ich mich aus Prinzip, in Zeiten der EU und gesetzlich garantierter Freizügigkeit für die Bewerbung an einer Uni meines Nachbarlandes zu zahlen. Schlussendlich siegte der Traum vom „coolen Berliner Leben“ und ich zahlte doch: Die 43 Euro sah ich einfach als Investition in meine Zukunft.

Allerdings war es der Bewerbungsprozess an sich, der sich als äußerst problematisch herausstellte. „Uni-assist“ ist gezielt auf nicht-deutsche Staatsbürger ausgerichtet, trotzdem wurden mir Fragen zu „Leistungskursen“, Abitur und ähnlichem gestellt. Bitte, was? Ich hatte Matura gemacht, und Leistungskurse kennt in Österreich kein Mensch.

Auch meine Anrufe bei der Hotline von „uni-assist“ ergaben nicht viel. Deren Mitarbeiter, die man schnellstens nach einer guten halben Stunde Telefonschleife erreichte, waren zwar alle sehr freundlich, hatten aber absolut keine Ahnung. „Das kann ich Ihnen nicht mit Sicherheit beantworten“ war die Standardantwort auf meine Frage, ob ich meine Wahlpflichtfächer als österreichisches Äquivalent zu Leistungskursen eintragen dürfe. Manche begnügten sich auch mit einem fast schon sympathisch spartanischen: „Hm, gute Frage.“

Mein Vertrauen in die Kompetenz der Mitarbeiter wurde Wochen nach Bewerbungsschluss weiter auf die Probe gestellt, als mir mitgeteilt wurde, dass mein Englischniveau von „uni-assist“ als unklar eingestuft worden sei. Obwohl ich die entsprechenden Stellen in meinem Dokumenten sogar angestrichen und darauf verwiesen hatte – anscheinend war nicht mal der neongelbe Leuchtmarker offensichtlich genug für „uni-assist“.

In der heutigen Zeit offener Grenzen und Globalisierung sollte es nicht mehr nötig sein, sich mit miesen Bewerbungsprozessen und Gebühren herumzuschlagen, allein weil man nicht in dem Land aufgewachsen ist, in dem man studieren will. Inzwischen sind die Kosten sogar auf 75 Euro angestiegen – wenn es so weitergeht, wird man bald nur noch deutsche Studenten in den Hörsälen der „international ausgerichteten“ FU finden.

weiterLya Cuéllar: „Es waren stressige Zeiten voller Unsicherheit“

zurückJosta van Bockxmeer: „Die größeren Probleme gab es mit den Unis selbst“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.