Eine lieblose Laube

Seit Beginn des Sommersemesters ist die neue Holzlaube offen. Alles Wissenswerte zu dem FU-Neubau lest Ihr in unserer aktuellen Ausgabe. Woran es dem Prunkbau jedoch noch fehlt, kommentiert Enno Eidens.

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Die Holzlaube ist im Zwist. Nicht mit den Studenten, sondern mit sich selbst. Einerseits steht da der neue graue Prachtbau. Technisch auf dem neuesten Stand, moderne Holzfassade, komplex und doch so vielseitig. Aber es fehlt ihr etwas Wichtiges. Etwas, das eine Uni ausmacht: studentisches Flair.

Aus der Ferne betrachtet sieht die Holzlaube schick aus. Imposant wirken die festungsgleichen Türme, die Terrassen und die graue Holzfassade. So beeindruckend der Bau von außen aussieht, so karg ist er aber in seinem Innern. Weiße Gänge, große Fenster und seltsam verstreute Farbakzente, deren ästhetischen Sinn man nicht versteht. Auch fehlen bisher Aushänge, Pinnwände und all die anderen Dinge, die aus den alten Lauben ein so schönes studentisches Flair herauskitzeln. Klar, ein Gebäude braucht Zeit bis es von seinen Besuchern geprägt wird. Doch bei den kalkweißen Wänden dieses Neubaus ist fraglich, ob es in der Holzlaube dafür überhaupt Potential gibt.

Ein Techniktraum – wenn die nicht streikt

Doch auch wer wenig Wert auf Gemütlichkeit legt, findet Makel. Das Raumnummernsystem, das komplett ohne Buchstaben oder Straßen auskommt, ist wenig hilfreich. Noch weniger in Kombination mit den durchweg weißen Gängen. Sich hier zurecht zu finden ist schwer. Warum das System aus Straßennamen der Rost- und Silberlaube nicht auch in der Holzlaube angewandt wurde, ist rätselhaft. Nicht weniger zweiseitig zeigt sich aktuell die technische Ausstattung.

Die Holzlaube ist Hightech. Automatische Lamellen an den Fenstern sorgen bei zu starkem Sonneneinfall für Schatten. Wenn sie denn richtig funktionieren. Und das ist nicht immer der Fall. Dann heizt sich das Gebäude im Sommer schnell auf mehr als 30 Grad Celsius auf. Immerhin: Wenn ihre Klimaanlage läuft, schlägt die Holzlaube die muffigen Sommerseminare in Rost- und Silberlaube um Längen. Die Computertechnik in den Vorlesungsräumen ist ebenfalls ausgezeichnet. Moderne Anlagen bieten dem Dozenten viele neue Freiheiten und Möglichkeiten. Kameras ermöglichen Livestreams und Aufnahmen der Sitzungen.

Mängel an wichtigen Stellen

Noch wichtiger aber ist die Barrierefreiheit der Laube, die auch mehr als zwei Monate nach der Einweihung immer noch Fragen aufwirft. Viele Türen scheinen sehr eng und sogar die automatischen Öffner funktionieren an zahlreichen Türen nicht. Weitere Begehungen mit dem Schwerstbehindertenbeauftragen hat die FU geplant, falls es akute Probleme gäbe. Wie die Holzlaube gerade für gehbehinderte Studierende noch so viele Hürden bergen kann, ist nicht nachvollziehbar.

All diese Mängel plagen den Prestigebau. Sie lassen ihn so unfertig wirken, obwohl die Eröffnung Monate zurück liegt. Von einem angenehmen Ort zum Lernen und Lehren ist die Holzlaube noch weit entfernt. Schlussendlich wird es an den Mitarbeitern, Dozenten und den Studenten sein, ob sie dem Bau Charme verleihen. Denn, was im Moment bleibt, ist ein von außen beeindruckendes neues Gebäude, dem es aber an Herz und Seele fehlt.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Vera sagt:

    …immerhin, ein weiterer wichtiger Schritt zur Fertigstellung des Gebäudes ist geschehen: Endlich wurden die Sitzkissen in den “Studentischen Aufenthaltsräumen” auf Befehl des Architekten festgeschraubt sowie viele der Innenhöfe abgeschlossen. Das wäre ja auch zu viel der Freiheit an der “Freien” Universität, wenn man nach seinen Bedürfnissen die Sitzgelegenheiten anordnen oder gar im Innenhof einen Kaffee trinken wollte!

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