Ein zahnloser Tiger, ertrunken im Wasserspender

Das Stupa tagt zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode und beschließt damit wieder ein Jahr, in dem wenig erreicht wurde. Das liegt vor allem an der Struktur der FU und ihrem Präsidium, findet Jette Wiese.

Schließfächer wie diese sind toll. Leider gibt es viel zu wenige. Foto: Francis Laugstien

Die Erfolge des Studierendenparlaments (Stupa) halten sich in den letzten Jahren in Grenzen. Ausnahme sind der Wasserspender in der Mensa II und die Fahrradwerkstatt gegenüber der Holzlaube. Doch auch diese Projekte mussten einen langen, zähen Weg zurücklegen. Das ist aber nicht unbedingt nur Schuld des Stupa, sondern auch die der Uni-Verwaltung und einem Präsidium, das dem Herz seiner Universität, den Student*innen, per se skeptisch gegenübersteht.

Der Wasserspender als Sicherheitsrisiko

2015 hat eine Gruppe Studierende*r auf Initiative von Simon Sabellek über das Stupa versucht, dem Wunsch nach einem Wasserspender vor der Mensa II nachzukommen. Der Antrag wurde dort auch angenommen, scheiterte aber am Präsidium, welches jeden Beschluss des Stupa prüfen muss und die oberste Entscheidungsgewalt hat. Man habe massive Sicherheitsbedenken, hieß es. Und teure Baumaßnahmen wären das noch dazu. Wo kämen wir auch hin, wenn die Uni-Gebäude von dem einen Wasserspender in der Mensa Rohrbruch-artig geflutet würden? Richtig, ins Krankenhaus, befürchtete das Präsidium.

Zwei Jahre später war der Durst nicht kleiner und noch immer passten die Trinkflaschen nicht unter die Wasserhähne der Uni-Toiletten. Die Liste für Wasserspender an der FU wurde 2017 mit immerhin 116 Stimmen erneut ins Stupa gewählt. Um das in einen Kontext zu setzen: Die Liste, die damals gewonnen hat, hatte 236 Stimmen und wurde gewählt, um eine Campusbar zu eröffnen. Ein populäres Projekt, das jedoch gänzlich versandete. Diesmal unter Mithilfe der Parlamentarier*innen.

Es wird genehmigt, was gerade ins Konzept passt

Zurück zum Projekt Wasserspender: Die Initiative wurde kurzerhand auf einen Antrag mit vier Forderungen ausgeweitet und im Stupa beschlossen. Neben besagter Trinkwasserversorgung sollten Ruheräume und zusätzliche Schließfächer für die Campusbibliothek, sowie eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt geschaffen werden. Letztere wurde dank der Initiative „FUrad“ und der Tatsache, dass die Werkstatt perfekt in das Nachhaltigkeitskonzept der Uni passte, dieses Jahr aufgebaut und in Betrieb genommen.

Der Wasserspender jedoch wurde ein weiteres Mal abgelehnt, bis das Studierendenwerk Berlin die Sache selbst in die Hand nahm, ihn aber blöderweise am falschen Ende der Mensa aufstellte, nämlich am Ausgang. Auch weil das Stupa selbst Entscheidungen immer wieder vertagte oder Diskussionen nicht zielführend zu einem Ende bringen konnte, ist von den beiden anderen Vorhaben aktuell nichts zu sehen – und das, obwohl die zusätzlichen Schließfächer bei der Campusbib vom Präsidium bewilligt wurden und bis zum Wintersemester 2017/18 aufgestellt sein sollten. Bis heute Fehlanzeige.

Das Präsidium zieht dem Tiger die Zähne

So kann man durchaus den Eindruck gewinnen: Sobald es um Anträge der Studierendenschaft geht, scheint das Präsidium auf stumm zu schalten und stellt meist jegliche Kommunikation ein. Doch genau darum sollte es gehen! Um Kommunikation, Verhandlung und manchmal auch Streit. Erst eine laufende Auseinandersetzung der Verwaltung mit allen Gruppen macht eine Universität, wie es Vize-Präsident Hoffmann-Holland so gerne betont, zu einer Gemeinschaft. Auf Durchzug zu stellen, ist Verrat an ebendieser.

Wem sich bei den niedrigen Erfolgschancen bei so gut wie jeder Initiative des Parlaments also noch die Frage stellt, warum nicht einmal zehn Prozent der Student*innen bei den Stupa-Wahlen wählen gehen, dem bleibt wohl nur noch eine Erklärung: Der Rest ist in der Mensa ausgerutscht.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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