The Mexicans will pay for the food

Der Versuch, einen hungrigen Magen zum Schweigen zu bringen. Von Leonhard Rosenauer.

Schön anzusehen, aber nicht ohne Strapazen zu genießen. Foto:Pixabay

„Ehrliche Mexikanische Küche“ verspricht das Schild über dem Restauranteingang. Mit knurrendem Magen und Hundeblick nähere ich mich, doch bevor ich einen Fuß hinein setzen kann, zerrt mich meine Begleitung in ein Restaurant gegenüber mit mexikanisch-japanischer Fusionsküche. Hier heißt es jedoch erst einmal in die Warteliste eintragen. Wer einen Platz an den Tischen ergattern will, muss seinen Willen offenbar erst unter Beweis stellen.

Als ich in der sengenden mexikanischen Sonne auch den letzten Tropfen Flüssigkeit aus meinem Körper geschwitzt habe, sind wir endlich dran. Hip und progressiv wie der Laden ist, sitzen wir mit Mexikos botoxsüchtigen Jungunternehmer*innen an einem Tisch.

Ich lasse mich nicht entmutigen und will ein Gespräch über das Armutsgefälle in der lokalen Gesellschaft beginnen, doch gerade als ich den Mund öffne, unterbricht mich der Sound einer siebenköpfigen Straßenband. Im selben Moment stößt eine Kellnerin mit riesigen Tunnelohrringen, deren innere Leere mich melancholisch werden lässt, zu uns. Über den Rabatz hinweg, versuche ich ihr meine Wünsche entgegen zu brüllen. Doch ausgehungert und schwach wie meine Stimme mittlerweile ist, versteht sie, dass ich noch einen Moment brauche und trottet davon. Ich unterdrücke eine Träne.

Beim zweiten Versuch habe ich die Speisekarte parat und tippe vehement auf die Bilder – geschafft! Als mein Essen kommt, breche ich mit letzten Kräften die Holzstäbchen auseinander. Doch bevor ich mir den ersten Bissen einverleiben kann, fragt meine Begleitung: „Och, sieht ja lecker aus. Darf ich mal probieren?“ Über meine selbstbezahlte Mauer aus Coladosen hinweg, grapschen ihre Stäbchen nach meinem Lachsfilet. Ich weine.

Dieser Text stammt aus der 20. Ausgabe von FURIOS (Sommer 2018) – hier als ePaper bei Issuu.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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