„Wir müssen reden.“

Die Hochschulgruppe „European Future“ ist am Campus unterwegs und plant politische Diskussionen. Wer sie sind und was ihre Idee ist, hat Philipp Gröschel im Gespräch mit ihnen erfahren.

Trotz vieler Fürsprecher*innen erlebt das Projekt EU schwere Zeiten. Foto: unsplash.com
Trotz vieler Fürsprecher*innen erlebt das Projekt EU schwere Zeiten. Foto: unsplash.com

„Jung. Sexy. Progressiv.“ ist das Motto der Berliner Hochschulgruppe „European Future”. „Jung ist eine Art zu denken, denn geistig kann man immer jung bleiben“, sagt Johannes. Und Marcel ergänzt: „Es bedeutet, dass man sich über die Zukunft Gedanken macht“, „und sexy, weil wir Politik wieder ein bisschen sexy machen wollen“, erklärt Heidi.

Beim Stammtisch wachrütteln

Johannes und Heidi studieren beide an der FU, Marcel in Potsdam. Die drei sind Anfang 20 und haben „European Future“ zusammen mit anderen Berliner Studierenden im März gegründet. Mit Diskussionsrunden und Stammtischen will die Gruppe mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein für EU-Politik schaffen. Die erste Podiumsdiskussion fand im April mit Vertreter*innen der Jungen Linken und Jungen Liberalen zur Europawahl statt. Mit ihren Veranstaltungen wollen sie Studierende erreichen, die zwar interessiert sind, sich aber bisher keine eigene Meinung gebildet haben. Mit Umfragen vor der Mensa und Stickern mit ihrem Logo wollen sie an der Uni bekannter werden.

Auf der Terrasse des Pi-Cafés trifft sich „European Future“ einmal pro Woche und diskutiert über die neuesten Entwicklungen in der EU-Politik. Auch planen sie hier die nächste Veranstaltung. Ziel soll sein, dass die Zuhörer*innen auch im Privaten über Themen wie das Spitzenkandidat*innenprinzip oder Transparenz in der EU nachdenken. Die Kritik, dass über EU-Politik schon genug geredet werde, teilt die Gruppe nicht. „Der Punkt, an dem genug geredet ist, muss der Punkt sein, an dem jede*r darüber geredet hat. Und wir probieren so darüber zu reden, dass wir Leute aufwecken“, meint Johannes. Prompt wird auch der Vorschlag geäußert, der Veranstaltung den Titel “Wir müssen reden” zu geben.

EU-Politik ungefährlich machen

Die Politikwissenschaftsstudentin Heidi findet, es gebe zwar genug Informationen, aber es fehlten Räume, in denen Meinungen gebildet und ausgetauscht würden. „Wir machen das ja jeden Tag auf kommunaler Ebene. Hier passiert etwas, also rede ich mit meinem Nachbarn darüber. Aber ich habe das Gefühl, auf EU-Ebene passiert das nicht.“ Eine gemeinsame Vision für Europa habe die Gruppe nicht, dennoch seien sie sich einig, dass nationale Lösungen in einer globalisierten Welt keinen Sinn mehr machten. „Wir wollen wissen, an welchen Stellen Transparenz und Demokratie fehlt, ohne pauschal zu sagen, dass die EU scheiße und undemokratisch für uns alle ist“, erklärt Marcel. Weder wollten sie die EU verteufeln, noch idealisieren. Stattdessen Debatten öffnen und „EU-Politik ungefährlich machen“, so Heidi. “Denn viele trauen sich nicht, darüber zu diskutieren, weil sie glauben professionelle EU-Kenner sein zu müssen.”

Den Anstoß zur Gründung von „European Future“ gab Yanis Varoufakis, Gründer der paneuropäischen Partei Diem25, der bei einem Vortrag an der FU die Frage aufwarf, wieso im europäischen Parlament immer noch nationale und nicht gesamteuropäische Parteien sitzen. Trotzdem hat die Gruppe keine Ambitionen für politische Ämter, auch nicht im Rahmen der Unipolitik. „Aber“, sagt Johannes „wenn das zehn Jahre läuft und politische Forderungen immer noch nicht durchgebracht werden, who knows, vielleicht gründen wir irgendwann mal eine Partei.“


European Future” lädt am 28.11. um 18 Uhr ins Eschenbräu zur Europarunde ein. Thema wird die Frage sein, inwieweit die EU (un)demokratisch ist.

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