Das Buch zum Small Talk

Nichts ist schlimmer als sich auf Partys anzuschweigen. Small Talk will gelernt sein. Eine kleine Hilfe können dabei Fun-Facts aus einem Lexikon des unnützen Wissens sein. Von Florian Schmidt

Karl-Heinz Wellmanns „Können Vögel husten?“ Foto: promo

Die Party ist langweilig. Kaum jemand kennt den anderen. Alle klammern sich fest an ihre Bierflaschen, starren auf ihre Handys, stopfen sich den Rachen mit den Resten des Buffets voll – nur um sich vor einem belanglosen Gespräch über öde Heimatkäffer und lahme Studiengänge zu drücken.

Gerade bei fremden Leuten fällt es oft schwer, ein nettes Kennenlerngespräch aufzubauen. Oft starrt man stattdessen unangenehm berührt in der Gegend herum. Die Kunst des Small Talks liegt nicht jedem. Dabei könnte es so leicht, so locker, so lustig sein: Indem man einmal nicht mit dem üblichen „Und was studierst du so?“ anfängt, sondern mit nachdenklicher Miene eine gänzlich andere Frage aufwirft. Etwa: „Was meinst Du: Schlüpfen aus Eiern mit zwei Dottern wohl auch zwei Küken?“ oder „Warum hieß der Geheimrat früher eigentlich Geheimrat?“

Zugegeben, das sind keine Fragen, die die Welt bewegen. Wohl aber sind es Fragen, die einem, wenn man sie einmal stellt, auf den Nägeln brennen. Und ein lustiger Small Talk-Start sind sie obendrein.

Solche und noch viele andere Fragen stellt das Buch „Können Vögel husten?“, ein typisches Lexikon des unnützen Wissens, das vom HR-Wissenschaftsredakteur Karl-Heinz Wellmann herausgegeben wurde. In kurzen Abrissen, meist sind es nicht mehr als zwei Seiten, gehen zwölf Autoren 111 Fragen auf den Grund, auf die so schnell keiner eine Antwort parat hat. Sie streifen Themen aus dem Alltag, der Physik und der Tierwelt, hinterfragen aber auch Sprichwörter und Ernährungsmythen.

Explosionen und Ritterkämpfe

Auf kurzweilige und amüsante Art erfährt der Leser etwa, dass eine Explosion und eine Detonation keineswegs das Gleiche ist. Auch weiß er nach der Lektüre, warum viele Wappentiere ihre Zunge rausstrecken: Weil sie dadurch grimmiger wirken und bei Ritterkämpfen dem Gegner Angst einflößen sollten.

Zwar mögen einige Fragen für manchen Geschmack etwas pseudo-intellektuell wirken („Warum treiben gefällte Buchen wieder aus, nicht aber Fichten?“). Wer aber sowieso lieber zu schlau als zu einfältig herüberkommen will, den wird das nicht stören. Das Gros der 209 Seiten des Buches ist trotz seines eigentlich belanglosen Inhalts spannend. Denn gerade Fragen wie „Wozu dient der helle Halbmond unter dem Fingernagel?“ oder „Warum ist die 50-Cent-Münze größer als der Euro?“ stellt man im Alltag zwar immer wieder – Zeit zum Nachdenken aber bleibt fast nie.

Auch wer sich mit „Können Vögel husten?“ nicht für das nächste Buffet-Gespräch rüsten will, sondern einfach nur überflüssige Fun-Facts tanken möchte, kommt auf seine Kosten. Besonders eignet es sich als Zweitlektüre neben einem dicken Wälzer, auf den man nach einem langen Tag keine Lust mehr hat. Als günstige Lesezeit für die kleinen Aha-Effekte gilt die Zeit unmittelbar vor dem Einschlafen – am besten dann, wenn am nächsten Tag eine langweilige Party auf dem Plan steht.

Können Vögel husten? Herausgeber: Karl-Heinz Wellmann Verlag: Pieper
Preis: 7 Euro

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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