Fuck Europe!

FU-Student Julian Niklas Pohl hielt sich sein Leben lang für ziemlich unausstehlich. Dann ging er für ein Semester ans amerikanische Elitecollege – das ihn lehrte, was wahre Douchebags sind.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski
Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Als ich den Amis dann erzähle, dass in Europa kein Schwein die Duke University kennt, wird es ganz still im Raum. Like … seriously? Das kann doch nicht wahr sein, schließlich sind wir doch die siebtbeste Uni des Landes! Die anschließende Erörterung der Frage, warum man denn nicht so bekannt sei wie Princeton, Harvard und Yale, wird nach schmerzhaften Minuten des kollektiven Wundenleckens von Schablonenstudent Grady beendet. Segelschuhbeschuht brüllt er ein herzliches »Fuck Europe!« in den Raum, hebt den roten Plastikbecher zu Gott – und gut ist.

Leere Blicke, gute Haut, Ben Afflecks oder Jennifer Anistons Haare und eine Schnur an deiner Sonnenbrille haben. Jeden Tag so leben, als sei er der erste nach deinem Sieg im Golf-, Polo-, Tennis-, oder Segelwettbewerb. Vice Secretary of Treasury von einem Club sein, der ausschließlich damit beschäftigt ist, sich selbst zu erhalten. Sowieso ganz generell Leadership zeigen. Sich das Recht ersaufen, stolz drei griechische Buchstaben auf der Brust über den Campus zu tragen. So kommst du durch vier Jahre Duke, ohne am eigenen Anderssein völlig verrückt zu werden.

Aber es ist ja nicht alles schlecht: Wenn ich blau bemalt im Stadion stehe und meinen Basketballboys oder Volleyballgirls dabei zusehe,
wie sie unsere Rivalen von der University of North Carolina in Stücke reißen. Dann kann mein in Deutschland neurotisch unterdrücktes Kollektivherz endlich erfahren, was es heißt, Teil eines erlauchten Kreises zu sein. Und den traurigen state school kids im Gästeblock brülle dann auch ich entgegen: »One day you will work for us!«

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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