Mit Yoda auf Wählerfang

Wenige Tage vor der Stupa-Wahl fluten die antretenden Listen den Campus mit mehr oder weniger kreativen Plakaten. Cecilia Fernandez, Florian Schmidt und Hannah Zabel haben einige davon näher betrachtet und kommentiert.

Liste 20 – Interventionistische Liste. Foto: Hannah Zabel

Potenziellen Wählern mutet die Interventionistische Liste (IL) nicht mehr politische Verständnisleistung zu als dazu nötig ist, bei einer Ampel Farbunterschiede auszumachen. Mit Inhalten fährt die IL zudem einen so rigorosen Sparkurs, dass sie sich Herrn Schäubles Applaus gewiss sein kann. Lediglich das sprechende Känguru erkennt womöglich nicht jeder in all seiner kapitalismuskritischen Pracht. Manch ein Rätselnder mag eine Befürwortung von Boxkämpfen in der Zeit der Wählerumgarnung darin sehen. Zu hoffen ist in jedem Fall, dass keine böse Zunge sich zu Worte meldet und zischt: „Das heißt, die wollen in die eigenen Beutel schaufeln!“

Liste 12 – Für freie Bildung. Gegen Anwesenheitspflicht. Foto: Cecilia Fernandez

Mal sucht man die Inhalte auf Wahlplakaten vergeblich, dann wieder fühlt man sich von selbigen erschlagen. Bei der Liste 12 – Für freie Bildung. Gegen Anwesenheitspflicht – wäre weniger mehr gewesen. Weniger Text, dafür mehr Mut bei der Schriftgröße, sodass nicht jeder Leseversuch aus einer Entfernung von über fünf Zentimetern mit dem Risiko eines akuten Augeninfarkts verbunden ist. Mögen die Ansätze noch so interessant sein – der Wust aus Buchstaben raubt einem jede Lust, näher heranzutreten.

Liste 18 – Antifaschistische Linke. Foto: Cecilia Fernandez

Das Plakat der Antifaschistischen Linken zeigt viel künstlerischen und zugleich wenig politischen Gestaltungswillen. Bei so geschmackvollen Schattierungen und so fein gezogenen Umrissen verzeiht man gern die typographische Tragödie im unteren Viertel. Beinahe vergisst man auch zu erfragen, was die Liste 18 denn eigentlich jenseits der Verbreitung weit gefasster Schlagwörter im Umfeld von sozialer Gerechtigkeit vorhat. Welcher querulierende Querdenker wird aber auch wissen wollen, wie die beschworenen Kämpfe konkret im universitären Alltag – zwischen Seminararbeiten und Saalknappheit – ausgetragen werden sollen, wenn er sich doch auch alle Gedanken vom bunten Farbenstrom wegspülen lassen kann?

Liste 16 — FSI Wiwiss. Quelle: fsiwiwiss.de

Megafon, roter Stern, lahmer Spruch. Alles wie immer. In gewohntem Schwarz-Weiß-Rot präsentiert sich die FSI Wiwiss auch im Jahr 2014. Und wen kratzt es? Eigentlich niemanden. Das scheinen in diesem Jahr auch endlich die Texter der Plakate erkannt zu haben. Glaubt man den Sprüchen, die sie auf die Plakate gesetzt haben, ist ihren Wählern alles egal: Mensa-Essen, Bücherbörse, Ersti-Fahrt – in den Augen der FSI juckt all das den typischen Wirtschaftswissenschaftler nicht. Weise Erkenntnis! Noch mehr Empathie für ihre Wähler aber hätten sie gezeigt, wenn sie folgenden Slogan gedruckt hätten: „Mir doch egal, was die FSI treibt!“

Liste 2 — FSI OSI. Foto: Florian Schmidt

Vor vier Jahren war es noch das Krümelmonster. Jetzt ist es Meister Yoda. Ganz offensichtlich steht die FSI OSI auf niedliche Zugpferde für ihren Plakatwahlkampf. Clever! Zumindest schmunzeln muss bei Yodas grammatisch genialem Sprüchlein „Kein Gott, kein Staat, Ini ich Dir rat!“ jeder. Doch was wollen uns die Politologen vom Otto-Suhr-Institut (OSI) damit wohl noch sagen? Vielleicht in etwa das: „Schaut her, das Politikstudium hat uns zumindest Eines gelehrt. Im modernen Wahlkampf braucht es keine Inhalte – ein starker Sympathieträger reicht völlig aus!“ Glückwunsch! Das hat schon im Herbst bei Merkel und der CDU geklappt. Der Wahlsieg ist sicher.

Liste 25 – Grüne Alternative Liste (GAL). Foto: Florian Schmidt

Auf die Grüne Alternative Liste (GAL) ist Verlass. In puncto Kreativität und Witz spielen ihre Plakate schon länger in der ersten Liga mit. Nach dem Katzenmotiv im vergangenen Jahr zieht die GAL in diesem Jahr mit lustigen Piktogramm-Bildchen ins Feld. Das Thema: Recycling von Anwesenheitslisten. Die Vorschläge der GAL: als Regenschirm benutzen, zum Papierflieger umbauen, als Bild an die Wand hängen oder einfach verfeuern. Fraglich, ob jemand diese Tipps beherzigt. Eine gute Idee ist das Plakat dennoch. Inhaltliche Positionierung gepaart mit einem lustigen Hingucker – geht doch!

Liste 19 — RCDS – Die Studentenunion. Foto: Florian Schmidt

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) ist vorbildlich – mit Betonung auf „Bild“. Auf ihren Plakaten zeigen sich die Kandidaten samt Porträtfoto. Wow! Das wagt im Stupa-Wahlkampf sonst kaum eine Liste – schon gar nicht eine derer, die den Asta mittragen. Die bleiben lieber namen- und gesichtslos. Was Transparenz angeht, bekommt der hochschulpolitische Arm der CDU damit die Note 1. Das ist dann aber auch schon alles. Davon abgesehen ist das Plakat ein Flop: Keine markige Forderung, kein knuddeliges Maskottchen, kein lustiger Spruch. Kurzum: zu krampfig, zu seriös, zu langweilig.

Liste 29 — Semtix – Die Liste fürs Semesterticket. Foto: Florian Schmidt

Draisinen-Fahren als Hochschulsport, das hätte doch mal was. Bei einer Uni, die sich über einen halben Stadtteil erstreckt, liegt die Idee quasi auf der Hand. Wer regelmäßig zwischen dem Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften in der Koserstraße zu den Politik- und Sozialwissenschaften rund um den Henry-Ford-Bau pendeln muss, weiß, welche Kilometerzahlen da zusammenkommen. Den Besuch im teuren Fitnessstudio kann man sich dann auch sparen. Ein volles Erfolgsmodell also! Ich befürchte nur, die Macher dieses Plakats hatten anderes im Sinn…

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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