Vom Hochschulsport auf die Bühne

Die freie Theatergruppe „InterGogue“ ist aus einem Unisport-Theaterkurs der FU hervorgegangen. Dorothea Drobbe hat sich ihre Produktion „The Cone of Babel“ angesehen.

Gruppe

Die Theatergruppe während einer Aufführung von “The Cone of Babel”. Foto: Dorothea Drobbe.

„Nur nicht aufgeben!“ stempeln die Studentinnen am Empfang allen Zuschauern des Theaterstückes „The Cone of Babel“ auf den Handrücken. Die Tinte verwischt schnell, aber der Spruch bleibt als Leitfaden für das Stück bestehen. Aufgeführt wird es von der Theatergruppe “InterGogue”, die 2012 aus einem Hochschulsport-Theaterkurs der FU hervorgegangen ist. Momentan besteht das Ensemble aus elf Studierenden und jungen Berufstätigen.

In ihrer zweiten Produktion „The Cone of Babel“ geht es um zehn junge Menschen, die an einem Brunnenbauprojekt in der vorderasiatischen Halbwüste mitwirken. Als ihnen aufgrund politischer Unruhen der Zugang zu Wasser und Nahrung abgeschnitten wird, drohen die Freiwilligen zu verdursten. Der Ausweglosigkeit ihrer Situation entspringt der rettende Gedanke, genau hier einen gigantischen Trichter zur Wasserförderung zu bauen, der den desertifizierten Bereich wieder nutzbar machen soll. Raum für Klimaflüchtlinge soll geschaffen werden, „sozioutopische Architektur“ wird das Projekt später genannt, gar „Neuntes Weltwunder“. Als ein Großinvestor einsteigt, wird aus der Utopie Realität. Und plötzlich dürfen die Idealisten in der Wirklichkeit mitspielen.

Ein Gedankenexperiment

Der Plot wirkt nicht besonders wirklichkeitsnah – soll er auch gar nicht. Das Stück ist ein Gedankenexperiment: Es ist leicht, den großen Konzernen – Monsanto, Nestlé, Coca Cola – ihre Fehltritte vorzuwerfen. Aber was passiert, wenn die, die sonst nur kritisieren, selbst die Wirklichkeit mitgestalten können? Die Jugendlichen müssen feststellen, dass die globale Welt so komplex ist, dass selbst eine gute Absicht die Verantwortlichen zu Schuldigen machen kann. Was ist erlaubt für einen guten Zweck? An dieser Gewissensfrage scheiden sich die Geister.

Nicht nur auf der Bühne wird intensiv darüber diskutiert. Die Schauspielenden der Theatergruppe beschäftigen sich auch während der Proben weiterhin mit dem Inhalt, den sie vermitteln: Alle Stücke des Ensembles entstehen in einem gemeinschaftlichen Prozess. Durch Improvisation, Zusammenspiel und Diskussionen entwickeln sie sie immer weiter. Auch an „The Cone of Bable“ wird bis zu den nächsten Vorstellungen noch gearbeitet.

Die Frage nach moralischer Überlegenheit

Bei der Aufführung versprüht das Ensemble den Charme besseren Schultheaters. Die Schauspielenden sind alle erstaunlich überzeugend, obwohl die meisten nicht über einen pathetischen Theatersprech hinaus kommen. Die Musik reißt hin und wieder mitten im Akkord ab, die Taschenlampen werden zu oft benutzt – doch die vielen Stellen chorischen Sprechens sitzen fast besser als auf den großen Bühnen. Die Schauspieler bewegen sich in perfekt ungeordneter Synchronität und ihre Emotionen wirken authentisch. Trotz geringer Mittel glaubt man, die Hitze der Wüste und ihre eisige Kälte bei Nacht selbst zu spüren.

Theater, das politisch sein will, driftet oft in Klischees ab. Das Ensemble zieht sich jedoch aus der Affäre, indem es die Frage nach moralischer Überlegenheit gleich selbst in einem eindringlichen Fokus auf die Bühne stellt. Niemand will hier falsches Mitleid für „Globalisierungsopfer“ heucheln. Vielmehr wird unsere eigene Perspektive in ihrer Hilflosigkeit überspitzt: „The Cone of Babel“ spielt mit unseren größten Ängsten, wenn das kühne Vorhaben an genau den festgefahrenen Strukturen zu scheitern droht, die es bekämpfen wollte. Und gibt dem Zuschauer die zentrale Botschaft mit nach Hause: „Nur nicht aufgeben!“

Nächste Termine:

The Cone of Bable:
18. Januar, 20 Uhr, Theaterhaus Berlin Mitte, Wallstraße 32, 10179 Berlin
Preis: 10€ regulär, 5€ ermäßigt
25. Januar, 19 Uhr, Kunger Kiez Theater, Karl-Kunger-Straße29/30, 12435 Berlin
Preis: 8€ regulär, 5€ ermäßigt;

Homepage: http://intergogue.de

Wer Interesse hat, bei der nächsten Produktion mitzumachen, kann mit dem InterGogue auf ihrer Homepage Kontakt aufnehmen oder einfach den nächsten FU-Unisport-Theaterkurs buchen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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