Rassismus und Repräsentation

Bevor die Sitzung wirklich begonnen hat, entbrennt beim ersten Zusammenkommen des Studierendenparlaments eine Diskussion über Rassismus. Ein Bericht von Julian von Bülow.

Bild: supakitmod / FreeDigitalPhotos.net

Das neu gewählte Studierendenparlament trat am Donnerstag erstmalig zusammen. Die Sitzung war geprägt von einer intensiven Debatte über Rassismus und Repräsentation von People Of Color (PoC) an der FU.

Das Referat für der Internationalen Studierenden/Students of Color (RIS) hatte im Dezember in einer autonomen Vollversammlung neue Referent*innen gewählt. Zu autonomen Versammlungen sind nur Angehörige der Gruppe eingeladen, die durch das Referat repräsentiert werden sollen, also internationale Studierende und PoC.

Repräsentationskonflikt… vertagt

Eine Gruppe schwarzer PoC protestierte im Stupa gegen das Ergebnis der Wahl und eröffnete so noch vor Verabschiedung der Tagesordnung eine breite Debatte. „Wir wollen von Menschen repräsentiert werden, die die gleiche Definition von Rassismus haben wie wir. Wir wollen die längst überfällige Repräsentation von Schwarzen an der FU durch ein eigenes Referat“, so ein Gruppenmitglied. „Wir brauchen Wissen, um Gewalt nicht zu reproduzieren und die Gewählten haben dieses Wissen nicht.” Die autonome Versammlung sei von Diskriminierung und Beschuldigungen geprägt gewesen und sei daher dem Konzept des „safe space“ nicht gerecht geworden. People of Color machten im Unialltag andere Diskriminierungserfahrungen als Leute, die als weiß gelesen würden.

Die Person, die die Vollversammlung organisiert hatte, war mit deren Verlauf ebenfalls unzufrieden und räumte eigene Fehler ein. Eine der gewählten Referentinnen des RIS wies den Vorwurf zurück, eine zu simple Definition von Rassismus zu haben und hob hervor, sie habe schon öfter Erfahrungen mit Diskriminierung aufgrund ihres Migrationshintergrundes machen müssen. Mit den Worten „Wenn ich das Problem bin, dann respektiere ich das” bot sie launisch ihren Rücktritt an. Die zweite, schwarze Referentin äußerte sich nur knapp, ehe ihre Stimme wegbrach: „Mein ganzes Leben wurde ich diskriminiert… in der Schule, in der Uni…”

Die zweistündige Diskussion verlief emotional, blieb aber ohne klares Ergebnis. Es kam zu Tränen und teils persönlichen Vorwürfen. Ein Abgeordneter erhielt einen formellen Ordnungsruf für einen Kommentar, der von Abgeordneten und Sitzungsleitung als rassistisch gewertet wurde. Letztlich wurde eine Kommission gebildet, die noch dieses Jahr ein Konzept zur zukünftigen Struktur des Referats entwickeln soll. Die Einführung eines neuen, autonomen Referats ausschließlich für People Of Color wurde mit dem Verweis auf die Stupa-Satzung und das Hochschulgesetz abgewiesen. Der Konflikt darum, dass sich zwei Gruppen mit sehr unterschiedlicher Lebenswelt ein Referat „teilen” müssen, wird so nur vertagt.

Semesterticket-Gelder und neue Schließfächer

Die vorgesehene Tagesordnung wurden durch die vorangegangene Debatte überwiegend verdrängt. Gegen Ende beschloss das Stupa, den Personenkreis auszuweiten, der den studentischen Sozialfonds in Anspruch nehmen kann. So können mehr finanzschwache Studierende das Geld für ihr Semesterticket zurückfordern. Außerdem passten die Abgeordneten die Semesterticket-Satzung an, sodass der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) fortan mit der BVG Langzeitverträge abschließen kann, die moderate Preissteigerungen beinhalten. Eine studentische Urabstimmung über die Verträge ist dabei nicht notwendig. Diese Änderung wurde bereits 2017 in einer Urabstimmung von den Studierenden beschlossen und nun vollzogen. Anschließend wurde noch mitgeteilt, dass zum Sommersemester 156 neue Schließfächer für die Campusbibliothek aufgestellt würden.

Andere Tagesordnungspunkte wie der studentische Haushaltsplan für das Jahr 2019/20 wurden übersprungen und werden auf einer außerordentlichen Stupa-Sitzung im Sommersemester behandelt.

Update: In der früheren Version des Artikels fehlte der Verweis auf das Ergebnis der Semesterticket-Urabstimmung 2017. Wir haben diesen nun ergänzt.

Autor*in

Julian von Bülow

erkennt das doppelte Leerzeichen im Text auch noch aus 5000 Pixel Entfernung und ist ein kleiner Teil des Mediensystems im Mikrokosmos FU Berlin.

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1 Response

  1. Ulrike sagt:

    Der Abgeordnete der den Ordnungsruf erhalten hat war Ferhat von der Liste „DIGI“. Kann man ruhig auch so schreiben.
    Interessiert ja vielleicht Leute, die die Liste gewählt haben.

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