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Vegan für Alle


An der TU Berlin hat das Studierendenwerk die erste vegane Mensa in Deutschland eröffnet. Gegenwind gibt es deshalb bereits. Antonia Böker findet das Blödsinn – und die neue Mensa super.

Sie ist die erste ihrer Art – an der TU Berlin gibt es jetzt eine rein vegane Mensa. „Tiefgrün“ soll diese sein. Das heißt: Nichts Tierisches wandert hier über die Theke. Zu regulären Mensapreisen können sich TU-Studis nun also auch in der Uni tierproduktfrei ernähren. Erst kürzlich eröffnete das Studierendenwerk die „Veggie 2.0“ auf dem Charlottenburger Campus. Doch die negativen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Dabei ist das eine ziemlich gute Sache.

Es geht um die Wurst

Wenn es um die Wurst geht, verstehen viele keinen Spaß. Bestätigen wird das ein*e jede*r Grüne*r, die*der noch heute beim Wort „Veggieday“ in Schweiß ausbricht. 2013 hatten die Grünen einmal vorgeschlagen, Donnerstage in deutschen Kantinen symbolisch zu vegetarischen Tagen zu machen. Einfach, um ein bisschen Konsumreflektion anzuregen. Der Rest ist Geschichte: Die Grüne wurde zur „Verbotspartei“ und sechs Jahre später hält man sie noch immer für Öko-Diktator*innen.

Klar ist also: Es wird schnell persönlich, wenn es um Essensfragen geht. Dann wird zum Gesinnungskampf hochstilisiert, was keiner ist. Und selbst etwas so harmloses wie eine Mensa-Eröffnung wird zum Sieg für die eine oder andere Seite. Jetzt wird dem Studierendenwerk also unterstellt, sich in einer Debatte zu positionieren, an der es überhaupt nicht teilnimmt. So heißt es im Tagesspiegel zum Beispiel, das Studierendenwerk betreibe „gefährliche Identitätspolitik mit Nahrungsmitteln“. Weil es jetzt eben eine vegane Mensa gibt.

Authentisch essen wird gleicher

Die will – scheinbar muss es gesagt werden – das Studierendenwerk nicht betreiben. Es beugt sich hier keiner Minderheit, ergreift nicht Partei, gibt kein Statement. Und zwar ausdrücklich – TU-Köchin Nicole Graf hat dies gegenüber der Deutschen Presseagentur betont. Das Studierendenwerk erfüllt schlicht seinen Auftrag. Denn als Anstalt des öffentlichen Rechts ist es mit einer öffentlichen Aufgabe betraut: Der Versorgung aller Studierenden mit Essen. Und das gleichermaßen.

Niemand will bestreiten, dass Essen irgendwie politisch ist. Das Studierendenwerk verortet sich aber nicht selbst, sondern macht es mit der veganen Mensa Studierenden etwas einfacher, gemäß den eigenen Vorstellungen zu essen. Das ist eine große Leistung, weil das nicht alle Studis können. Schon klar, Veganer*innen nerven. Dass sie laut sind mit dem, was sie für richtig halten, kann man ihnen aber kaum vorwerfen. Jede*r Überzeugte ist von der eigenen Position, nun ja, überzeugt. Das wirkliche Problem des Veganismus ist, wie oft er blind ist dafür, wie vorausetzungsreich er ist. Vegan sein kann teuer sein, zeitintensiv. Und damit eben irgendwie elitär. Nicht jede*r, der oder die will, kann sich das leisten.

Alle gewinnen

Mit einer veganen Mensa wird das anders. Sie trägt zumindest teilweise dazu bei, strukturelle Benachteiligungen abzubauen. Für 1,45€ können Studis wenigstens in der Uni dann wirklich frei wählen. Auch, wenn in der regulären Mensa das vegane Gericht aus ist, oder an dem Tag nur eine vegetarische Variante angeboten wird. Im Übrigen gilt das nicht nur für Veganer*innen – sondern ebenfalls für Leute mit Allergien, oder jene, die religiös bedingte Essensvorschriften einhalten wollen. Diese sind bei veganem Essen in der Regel bereits erfüllt. Am Ende gewinnen damit doch alle: Wenn statt strukturellen Faktoren wirklich die eigene Überzeugung das Essverhalten bestimmt, streitet es sich doppelt so gut.


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