Das bisschen Hausarbeit

Das Semester geht zu Ende und es wird Zeit für die Hausarbeiten. Anabel Rother Godoy und Julian von Bülow wägen ab, wie man diese Aufgabe am besten meistert: Prokrastination vs. durchdachte Planung.

Beim Thema Hausarbeiten scheiden sich die Geister: Manche wollen die wissenschaftliche Ausarbeitung so lange wie möglich verdrängen, andere arbeiten sich mit einer festen Struktur durch die Herausforderung – und haben sogar Spaß daran. Auch bei Furios gehen die Meinungen auseinander: Anabel Rother Godoy ist genervt von Vorzeigestudis und macht ihrem Ärger im Absatz „Prokrastination muss gelernt sein“ Luft, Julian von Bülow glaubt an gute Vorbereitung und vertritt seine Position im Abschnitt „Mehr Planungen wagen“.

Prokrastination muss geübt sein – Anabel

Es ist wieder soweit: Das Semester neigt sich dem Ende zu und die Hausarbeiten-Phase steht bevor. Für viele wohl eher die Hausarbeiten-vor-sich-herschieben-Phase. Prokrastination muss geübt sein, vor allem, wenn man ganze drei Monate Zeit hat, sich Tag für Tag vor dem Gang in die Bibliothek zu drücken. 

Die wahren Expert*innen schaffen es sogar an diesem ultimativen Ort des Lernens, nur um dort mehrere Tage durch unnötiges Surfen im Internet zu verschwenden. Nach mehreren Semestern dieser Praxis und diversen Onlinetests weiß ich nun, welcher Arbeitstyp ich bin und was meine Lieblings-Kartoffelzubereitung über meine Persönlichkeit aussagt.

Die Über-Studierenden, die schon am Anfang des Semesters die Exposés für ihre Hausarbeiten anfertigen und diese dann abgeben, bevor die Prüfungsphase überhaupt richtig angefangen hat, werden über mein Verhalten ihre Nase rümpfen. Sollen sie doch! Denn am Ende landet meine Hausarbeit ebenfalls beim Dozierenden, nur eben drei Minuten vor Abgabefrist. Dass die Wartezeit für die Noten dann bei allen gleich lang ist und selten unter drei Monaten liegt, sehe ich als Bestätigung: Die Lehrenden prokrastinieren ebenfalls!

Mehr Planung wagen! – Julian

Das Leben ist kurz, deshalb soll man’s genießen (habe ich gehört). Ich mag mein Irgendwas-mit-Medien-und-Politik-Studium und Hausarbeiten über NS-Kontinuitäten im Journalismus oder politische Justiz reizen mich. Ich hocke dann zwei Wochen in der klimatisierten Campusbibliothek, lerne etwas und am Ende bin ich mit dem Ergebnis meist zufrieden. Bin ich im Flow, rede ich auch mal mit Freund*innen über das Hausarbeitsthema – Gesprächsstoff eben. Andere reden über ihr neuestes Streaming-Erlebnis oder klagen über die Nachwirkung ihrer Lieblings-Kartoffelzubereitung Wodka, weswegen der Bib-Besuch leider von der ToDo-Liste gestrichen werden musste. Hach, die Hausarbeit, oh weh, oh weh… #SorryNotSorry

Aufgaben in ToDo-Listen wirken auf manche vielleicht wie Geschenkwünsche auf dem Zettel an den Weihnachtsmann. „Bitte mach, dass das erledigt ist!“ Herzlichen Glückwunsch, der Weihnachtsmann, der dir die Geschenke bringt, bist leider du selbst: Jedes Geschenk auf dem Zettel ist vor allem eines: Eine verdammte Aufgabe auf einer ToDo-Liste. Um einen Hauch von Selbstdisziplin kommt man nun mal nicht herum.

Respekt an diejenigen, die fünfzehn Seiten Hausarbeit dann über Nacht verfassen! Noch mehr Respekt an die, die danach mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Und nochmal herzlichen Glückwunsch, wenn dann noch eine gute Note dabei herauskommt. Aber egal, welcher Typ man nun ist: Eine Hausarbeit auf der ToDo-Liste hat immer ihren Haken – wie befreiend, wenn man den endlich setzen kann.

Autor*innen

Julian von Bülow

erkennt das doppelte Leerzeichen im Text auch noch aus 5000 Pixel Entfernung und ist ein kleiner Teil des Mediensystems im Mikrokosmos FU Berlin.

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