Furios vögelt: Flanieren und Vögeln lauschen

Jede*r kann forschen! Unter diesem Motto läuft das Forschungsprojekt für Bürger*innen „Forschungsfall Nachtigall“ des Museums für Naturkunde Berlin. Wie? Das hat Carry-Ann Fuchs für euch herausgefunden.

 Stolz posaunt sie ihren Gesang in die Welt: die Nachtigall. Bild: Pixabay 

Klein und unscheinbar ist sie. Trotzdem hat sie es weit gebracht: Die Nachtigall. So hat sie sich nicht nur Einzug in die Literatur, wie zum Beispiel in Oscar Wildes Kunstmärchen „Die Nachtigall und die Rose“ von 1888 verschafft, sondern glänzt auch in der Wissenschaft als Forschungsobjekt. Wer sich bei Tag oder Nacht gerne in den verwilderten Gärten und Parks Berlins aufhält, ist dem allerseits begehrten Singvogel vermutlich bereits begegnet – immerhin schätzt man, dass es etwa 3000 Nachtigallen in Berlin gibt. Wer das Glück hat, kann seine Begegnung sogleich mit dem Bürger*innenforschungsprojekt „Forschungsfall Nachtigall“ teilen.

Vogelforschen leicht gemacht

Und zwar für alle. Denn das ist das Besondere an einem Bürger*innenforschungsprojekt: Bürger*innen werden aktiv miteinbezogen und sind maßgeblich daran beteiligt, die für die Forschung grundlegenden Daten zu sammeln. In diesem Fall funktioniert das über die Naturblick-App, die als Partnerprojekt an der Forschung beteiligt ist. Mit der App können die Teilzeit-Vogelforscher*innen mit wenigen Klicks den Vogelgesang aufnehmen und ihn an das Forschungsprojekt senden. Dort wird der Gesang auf Echtheit überprüft und von den Projektmitarbeiter*innen in einer georeferenzierten Landkarte auf der Website hochgeladen.

Forschungsfall Nachtigall ist in Kooperation mit der Citizen-Science-Plattform „Bürger schaffen Wissen“ entstanden. Mit einem Betrag von 264.000 Euro wird das Projekt für insgesamt zwei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Vogelprojekt ist nur eines von 13 Projekten, die bis Ende 2019 vom BMBF gefördert werden und die Zusammenarbeit von Bürger*innen und Wissenschaft voranbringen sollen. 

Die Sinfonie der Nachtigall

Die Nachtigall sorgt für so manche Überraschung. So hat das fünfköpfige Projektteam herausgefunden, dass die Berliner Nachtigall über 2.300 Strophen singen kann. Dabei vermuten die Wissenschaftler*innen, dass es regionale Unterscheidungen im Gesang der Nachtigall gibt: Dass die Nachtigallen also eine Art Dialekt sprechen. Einen Überblick der leitenden Fragestellungen verschafft die offizielle Website von „Forschungsfall Nachtigall“. 

Neben der Erforschung des Gesangsmusters, interessiert sich das Projekt vor allem für die Besiedlungsmuster der Nachtigall. Werden diese aufgeschlüsselt, erfahren die Forscher*innen mehr über regionale Brutdichten und bevorzugte Brutgebiete und können mit den gesammelten Erkenntnissen den Erhalt der Artenvielfalt unterstützen. 

Die aufgenommenen Vogelgesänge können noch bis zum 31.12.2019 mit dem Projekt geteilt werden. Wem der Gesang der Nachtigall bis jetzt gänzlich fremd ist, der kann sich hier fürs Erste eine Hörprobe der technoartigen Klänge zu Gemüte führen – oder direkt die Schuhe anziehen und sich auf die Suche nach einem Livekonzert begeben.

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