Masken schützen wie gedruckt

Essensspenden, Gabenzäune, Schutzmasken: Die gegenseitige Unterstützung während der Coronapandemie zeigt sich auf vielfältige Weise. Elias Fischer hat mit einer Studentin gesprochen, die zusammen mit ihrem Freund Schutzmaske für Mitmenschen mit einem 3D-Drucker produziert.

Florian trägt die 3D gedruckte Maske, deren Druckdaten open source im Netz zur Verfügung stehen. Bild: Vera Klemt.

„There is an urgent need for masks“, schrieb die EU-Kommission in einem Aufruf. Sie bat Ende März Unternehmen, 3D-Druckkapazitäten für die Produktion von Bauteilen medizinischer Geräte und Masken bereitzustellen, um den Engpässen entgegenzuwirken, die aufgrund der Coronapandemie entstünden. Die zuständigen Komitees öffneten dafür den Zugang zu den europäischen Normen, die die Sicherheitsanforderungen an die Produkte definieren. Programmierer*innen konnten so 3D-Druckmodelle für Masken entwerfen und im Internet veröffentlichen. Mehrere Datensätze sind mittlerweile online kostenlos verfügbar und werden vermehrt auch von Einzelpersonen genutzt, die Mitmenschen helfen wollen. Die druckbaren Masken haben gegenüber selbstgenähten oder chirurgischen einen wichtigen Vorteil: Sie schützen nicht nur andere vor einer Ansteckung, sondern durch einen Filter auch Träger*innen selbst. Die 20-jährige Medieninformatikstudentin der TU und FU Vera Klemt und Florian Streck, Studienberater und 3D-Artist, drucken nun seit ein paar Wochen. Wir haben mit ihnen über Maskenpflicht, den 3D-Druck und soziales Engagement gesprochen.

FURIOS: Hallo Vera, hallo Florian! Ab dem 27.04. gilt die Maskenpflicht in Berlin. Die Bürger*innen sind bezüglich der Pflicht geteilter Meinung. Laut Civey-Umfrage für den Tagesspiegel halten diese 46,2% für unumgänglich, fast 39,7% halten diese für falsch. Wie steht ihr zur Verpflichtung?

Vera: Gespalten. Einerseits denke ich, dass viele die Bedrohung nicht ernst nehmen, da es etwas Ungreifbares ist. Genau das macht Corona so gefährlich: für Alte, aber eben auch für Risikogruppen. Ein selbstgenähter Mund-Nase-Schutz (MNS) schützt hauptsächlich die Menschen um einen herum. Er nützt nur, wenn alle eine tragen. Daher halte ich die Verpflichtung für sinnvoll. Zudem ist eine Maske, selbstgenäht oder aus Tüchern, schnell gemacht und kein wirklicher Nachteil.

Vera, du hast es angesprochen. Ein selbstgenähter MNS minimiert erstmal nur das Risiko, andere anzustecken. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat er aber einen psychologisch wichtigen Effekt: Er symbolisiere gesundheitsbezogenen achtsamen Umgang mit sich und anderen“. Wie steht ihr zum „symbolischen Schutz“?

Vera und Florian: Der „symbolische Schutz“ ist fragwürdig. Die Menschen, die einen MNS tragen, neigen schnell dazu, Abstände nicht einzuhalten oder die Handhygiene zu vernachlässigen, da sie sich in Sicherheit wiegen. Das darf nicht passieren. Covid19 ist eben nicht nur eine Grippe. Sogar gesunde Nichtraucher haben schwere Lungenschäden durch die Erkrankung erlitten. Die Spätfolgen sind massiv.

Schutz ist euch offenbar wichtig. Wie kam es letztlich zu eurem Entschluss, Florians 3D Drucker zu nutzen, um selbst Masken für euch und andere herzustellen?

Vera: Wir haben einen Aufruf der EU Kommission Anfang März zur Hilfe gesehen und daraufhin recherchiert. Weil ich selbst zur Risikogruppe gehöre, wollte ich unbedingt Schutz.

Nicht alle können sich vorstellen, wie der 3D Druck vor sich geht. Könnt ihr kurz erklären, wie aus der Druckdatei eine Maske wird?

Florian: Zuerst wird mit einer Software ein Modell und daraus anschließend eine Druckdatei erstellt. Der Schritt fällt hier weg, da die Druckdaten vorhanden sind. Die Masken sind also direkt druckbar. Zum Druck wird ein Filament aus Kunststoff verwendet. Die Balance zwischen Qualität und Druckzeit zu finden, ist wichtig. Der Druck des flachen Rohlings dauert circa drei Stunden. Anschließend wird er entnommen, gefaltet, aufs Gesicht angepasst und mit Nylonfaden zusammengenäht. Die Filter montieren wir in der Regel nicht mehr.

Vera: Wir haben für verschiedene Gesichter die Größe etwas angepasst. Der Rohling wird mit einem Föhn von den Tragenden selbständig ans Gesicht angepasst. Aktuell arbeite ich an einer Montageanleitung für die Maske, in der erklärt ist, wie der Rohling angepasst und der Filter montiert wird.

Video: Vera Klemt

Wenn der Rohling aus dem Drucker entnommen wird, fehlt also noch der Filter, der schließlich dafür sorgt, dass eure Masken nicht nur andere, sondern die Träger*innen auch selbst schützt. Welche Filter könnt ihr empfehlen, welche nicht?

Florian: Zu Beginn, als wir die Masken noch montierten, haben wir Staubsaugerbeutel genutzt. Deren Schutzwirkung ist aber umstritten, weil sie lungenschädliche Stoffe enthalten können.

Vera: Aber rein statistisch kann ein Staubsaugerbeutel bis zu 80 % der Effektivität eines professionellen Schutzes erreichen, wenn sicher ist, dass er frei von gesundheitsschädlichen Stoffen ist. Wir empfehlen mittlerweile Pollenvlies. Das schützt nicht ganz so effektiv, birgt aber keine Risiken. 

Florian: Die Filter sind zudem austauschbar und weil Kunststoff als Material gut zu desinfizieren ist, bietet die Maske einer Person längerfristig Schutz.

Nun ist der Druck mit Kosten verbunden. Wie teuer ist die Produktion einer Maske und wie deckt ihr die Kosten?

Florian: Insgesamt belaufen sich die Kosten auf circa drei Euro pro Rohling. Montieren wir ausnahmsweise noch einen Filter, der nicht gesundheitsschädlich ist, liegen wir bei sechs Euro. Bei kleineren Mengen haben wir es bisher so gehandhabt, dass die Leute etwas dazugeben konnten, wenn es ihnen möglich war. Bei größeren Lieferungen an Institutionen oder Ärztehäuser erheben wir die Produktionskosten.

Das klingt alles solidarisch und fair. Fühlt ihr euch moralisch verpflichtet, in dieser Zeit Engagement zu zeigen?

Vera: Ich fühle mich nicht direkt verpflichtet, sondern möchte als Risikopatientin meine Gesundheit schützen. Dazu gehört aber im Umkehrschluss, mein Umfeld zu schützen, indem ich eine Ansteckung vermeide. Meine Ärzte möchte ich damit ebenfalls unterstützen.

Eine abschließende Frage: Was wünscht ihr euch von den Menschen im weiteren Verlauf der Pandemie?

Florian: Ich hoffe, andere dazu bewegen zu können, Mitmenschen zu schützen und sich zu engagieren. Ich möchte für mehr Bewusstsein sorgen. Wir haben beide erlebt, wie Freunde sich überhaupt nicht um Corona scheren. Das war schockierend.

Vera: Generell denke ich, dass das Verständnis für Hygiene und Infektionsschutz fehlt. Fitte, junge Menschen denken vielleicht: „Corona kann mir nichts“. Daher wünsche ich mir mehr Achtsamkeit. Man muss keine riesigen Aktionen vollbringen, aber allein ein Mund-Nase-Schutz – sei er 3D gedruckt oder selbstgenäht – kann wortwörtlich Leben retten.

Autor*in

Elias Fischer

Seine Männlichkeit passt nicht ganz in den Bildausschnitt.

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