„Es war ein total schönes Gefühl“

Linda Neumann ist Tierpflegerin an der FU. Für ihre Leistungen bei den „Deaflympics“ wurde sie vom Bundespräsidenten ausgezeichnet. Ann-Christin Werner hat mit ihr gesprochen.

Linda Neumann ist Leistungsschwimmerin – und Tierpflegerin an der FU. Foto: Ann-Christin Werner

Linda Neumann ist Leistungsschwimmerin – und Tierpflegerin an der FU. Foto: Ann-Christin Werner

Die Silbermedaille über 400 Meter Freistil und die Bronzemedaille über 400 Meter Lagen erschwamm sich Linda Neumann im Sommer bei den olympischen Spielen für Menschen mit Hörminderung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Für ihre Erfolge überreichte ihr Bundespräsident Joachim Gauck vor kurzem das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung für Sportler in Deutschland. Wie Linda Arbeit und Sport unter einen Hut bekommt und warum Joachim Gauck wie ein netter, ganz normaler Mensch rüberkommt, erfahrt ihr im Interview.

FURIOS: Wie bist du zum Schwimmsport gekommen?

Linda Neumann: Eigentlich durch meine ältere Schwester, die ist früher auch aktiv geschwommen. Außerdem mag ich schwitzen generell eigentlich gar nicht und im Wasser merkt man das ja nicht. Ich bin also jeden Tag sauber (lacht). Wasser fasziniert mich auch einfach. Seit 6 Jahren schwimme ich jetzt beim TSV Zehlendorf 1888, dort bin ich die Einzige mit Hörminderung. Davor war ich schon bei einigen anderen Vereinen.

FURIOS: Laufen Wettkämpfe bei den deaflympischen Spielen anders ab als bei den olympischen Spielen?

Neumann: Bei uns wird das Startsignal mittels Licht gegeben, das ist eigentlich der einzige Unterschied. Neben dem Startblock hat man verschiedene Farben. Wenn das rote Licht leuchtet, muss man auf den Startblock, beim gelben Licht muss man sich zum Sprung bereit machen und bei grün geht es dann los ins Wasser.

FURIOS: Wo genau arbeitest du denn an der FU als Tierpflegerin?

Neumann: Ich bin am Institut für Pharma-und Toxikologie und kümmere mich dort um ganz verschiedene Tiere: Mäuse, Ratten, Hamster, Hunde, Schafe, Pferde und sogar eine Kuh.

FURIOS: Arbeit und Leistungssport – geht das?

Neumann: Während der Schulzeit war es eigentlich kein Problem, im Training volle Leistung zu bringen. Die Arbeit als Tierpflegerin ist aber einfach auch körperlich anstrengend, das merke ich beim Training schon sehr. Da sage ich dann auch schon mal zu meinen Trainingskameraden, dass sie vor mir schwimmen sollen, dann ist für mich das Schwimmen im „Windschatten“ viel leichter.

FURIOS: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du auf dem Siegertreppchen standst?

Neumann: Mit so einem Erfolg hatte ich einfach überhaupt nicht gerechnet. Gewünscht hatte ich es mir schon, aber dass es dann letztendlich so kommt, hätte ich niemals geglaubt. Als ich da oben stand, habe ich nur gedacht: Wow, endlich wird meine lange anstrengende Trainingszeit belohnt! Es war einfach ein total schönes Gefühl.

FURIOS: Wie hast du danach von deiner Ehrung mit dem Silbernen Lorbeerblatt erfahren?

Neumann: Die Mitteilung, dass ich das Silberne Lorbeerblatt erhalte, habe ich über den DGS (Deutscher Gehörlosen Sportverband, Anmerkung der Redaktion) bekommen. Nach einiger Zeit habe ich dann die Einladung vom Bundespräsidenten erhalten. Da dachte ich nur: Wahnsinn! Meiner Familie habe ich als erstes davon erzählt. Sie helfen mir wirklich immer, wo sie können und waren auch bei den Deaflympics als Unterstützung dabei. Durch die Medaille wurden dann alle auf mich aufmerksam. Ich kriege mittlerweile ständig SMS oder E-Mails mit Anfragen, das wird schon langsam anstrengend (lacht).

FURIOS: Wie lief der Tag der Ehrung ab?

Neumann: Wir Sportler sind im Schloss Bellevue angekommen und mussten natürlich zuerst durch die Sicherheitskontrolle. Dann hat mir eine Mitarbeiterin des Bundespräsidialamts den Ablauf der Verleihung erklärt, das heißt zum Beispiel, wo ich sitze und wann ich meine Dankesrede halten kann. Nach der Ehrung war es dann soweit. Ich war aber ganz schön aufgeregt und meine Hände haben richtig gezittert, da ich die einzige Teilnehmerin der Deaflympicssportler war, die eine Rede halten durfte. Ich wurde ausgewählt, weil ich Juniorsportlerin des Jahres 2013 der Deutschen Sporthilfe im Gehörlosensport bin. Aber ich bereue es überhaupt nicht, das war auch eine schöne Erfahrung. Nach meiner Rede habe ich Herrn Gauck ein Buch mit Fotos der WM geschenkt. Da hat er mich einfach umarmt. Er war einfach total locker und natürlich – eigentlich wie ein ganz netter, normaler Mensch.

FURIOS: Nach deinen Medaillen und dem silbernen Lorbeerblatt: Gehst du jetzt mit einer anderen Einstellung an kommende Wettkämpfe heran?

Neumann: Eigentlich bin ich jetzt schon viel motivierter. Anfangs dachte ich: Jetzt hast du deine Ausbildung abgeschlossen und musst ein bisschen kürzer beim Sport treten. Aber als ich dann die Medaillen gewonnen und diese Auszeichnungen bekommen habe, wollte ich doch weiter machen. So ein Erfolg motiviert schon sehr. Auch im Training sagen mir immer alle, dass ich doch noch ein Jahr weitermachen und es nochmal allen zeigen soll – das habe ich nächstes Jahr bei der EM in Russland auch vor.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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