„Wir machen uns nicht beliebig“

Die Fachschaftsinitiativen sind die stärkste Gruppe im Stupa. Welche Ziele verfolgen sie im Wahlkampf? Karl Kelschebach hat mit Philipp Bahrt und Nikita Sorgatz von der FSI Wiwiss gesprochen.

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FURIOS: Welche politische Grundhaltung vertritt eure Liste?

Philipp: Wir setzen uns durch Servicearbeit für Studierende ein. Wir tun das aber nicht zum Selbstzweck, sondern haben eine politische Idee davon, wohin wir wollen: Solidarität mit anderen Fachschaftsinitiativen, Engagement gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und dergleichen.

FURIOS: Man wirft Fachschaftsinitiativen vor, ihre politischen Grundsatzdebatten gingen auf Kosten der Service-Arbeit. Was ist davon zu halten?

Philipp: Der Vorwurf zeugt davon, dass Menschen sich nicht damit auseinandergesetzt haben, was wir effektiv machen, denn wir bieten sehr viel Service. Wir veranstalten Ersti-Fahrten, organisieren die Ersti-Woche am Fachbereich, betreiben eine Bücherbörse und sitzen in Gremien und Kommissionen des Fachbereichs.

Nikita: Der Vorwurf ist sehr allgemein. Wenn man nach konkreten Positionen fragt, wird da wenig genannt. Wenn man sich die aktuelle Bachelor-Studienordnung anschaut, sieht man dagegen, dass wir viele Erleichterungen errungen haben.

Philipp: Wenn wir eine reine Serviceeinrichtung wären, wären uns Themen wie Teilzeitstudium oder Studium generale herzlich egal. Als Außenstehende merkt man vielleicht nicht immer, was wir alles hinter den Kulissen machen.

FURIOS: Eure Arbeit wird also vielfach nicht öffentlich wahrgenommen. Inwieweit ist das mit eurem basisdemokratischen Anspruch vereinbar?

Philipp: Die Gremien tagen öffentlich. Jeder kann sich in den Fachbereichsrat setzen. Leider sind wir dort oft alleine. Wir versuchen deshalb über wichtige Entwicklungen auf unserem Blog, auf Facebook und auf Twitter zu informieren. Wir rufen regelmäßig dazu auf, die Sitzungen des Fachbereichsrats zu besuchen. Es kommt aber niemand. An diesem Punkt muss ich sagen: Die Leute haben die Möglichkeit sich zu informieren, nehmen sie aber nicht in Anspruch und kritisieren uns gleichzeitig dafür, dass wir unser eigenes Süppchen kochen.

FURIOS: Als politisch ambitioniert oder gar links gelten Wirtschaftswissenschaftler aber nicht. Bereitet euch das ein Nachwuchsproblem?

Philipp: Es gibt ein generelles Nachwuchsproblem für studentische Initiativen jeder Couleur. Unseres ist aber nicht akut: In den letzten Jahren ist die FSI sogar gewachsen.

FURIOS: Welche Projekte stehen in der nächsten Legislaturperiode des Stupa an?

Philipp: Ein Ziel ist die Aufhebung der Teilgrundordnung. Sie ist seit 1999 in Kraft und stattet das FU-Präsidium, abweichend vom Berliner Hochschulgesetz mit sehr viel Macht aus. Sie ist probeweise eingeführt worden – inzwischen besteht sie seit über einem Jahrzehnt. Da sie mit vielen Problemen an der FU korrespondiert, muss sie durch eine Grundordnung ersetzt werden. Eine Grundordnung ist quasi eine Verfassung der Universität, die von allen Statusgruppen gemeinsam viertelparitätisch ausgearbeitet werden soll. Nur so können wir die Situation an der FU endlich befrieden. Es kann nicht sein, dass am Rande öffentlicher Gremiensitzungen Polizeihundertschaften auf dem Campus patrouillieren oder Studierende vom Sicherheitsdienst verprügelt werden.

FURIOS: Das Präsidium wirft euch Maximalforderungen vor. Wärt ihr bereit Abstriche zu machen?

Philipp: Sicherlich wird man mit Maximalforderungen allein nicht weiterkommen. Das Präsidium müsste allerdings in irgendeiner Form signalisieren, dass man die Probleme aller aufgreift. Stattdessen macht es Politik im Hinterzimmer, ohne Studierende einzubeziehen. Manchmal muss man polarisieren, um überhaupt eine Debatte in Gang zu bringen. Wir wollen einen Politikwechsel an der FU, bei dem auch das Stupa eine Rolle spielt. Die Frage ist aber: Was können wir dort überhaupt machen? Die Resolutionen des Stupa lesen sich wie das komplette Gegenteil des Status quo an der FU. Das liegt daran, dass die FU konsequent jede Resolution, selbst wenn sie einstimmig verabschiedet wurde, ignoriert.

FURIOS: Wie hängt eure Arbeit am Fachbereich mit der im Stupa zusammen?

Philipp: Das Themenspektrum, das wir im Stupa behandeln, geht weit über den Fachbereich hinaus. Trotzdem bringen wir natürlich die Probleme, die wir am Fachbereich sehen und die für den Fachbereich relevant sind, im Stupa ein. Ein hochaktuelles Thema ist zum Beispiel die Frist, die gerade Diplom- und Magisterstudierenden für ihren Abschluss gesetzt werden. Das werden wir auch im Stupa bearbeiten.

Nikita: Man bekommt im Stupa viel von den Erfahrungen der anderen Gruppen, die dort vertreten sind, mit. Das ist eine gute Vorbereitung auf Gremienarbeit.

FURIOS: Ihr seid die stärkste Asta-tragende Liste – was ist euer Erfolgsrezept?

Philipp: Wir machen uns nicht beliebig, sondern zeigen klare Kante. Außerdem sprechen wir offensichtlich populäre Themen an und beziehen andere Listen mit ein, wenn es darum geht, die undemokratische Politik des Präsidiums zu beenden.

Nikita: Den strukturellen Vorteil unseres großen Fachbereichs darf man aber auch nicht vergessen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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