Hinterzimmer statt Kooperation

Seit der vergangenen Sitzung des Akademischen Senats ist das neue FU-Präsidium komplett. Reibungslos lief die Findung nicht ab. Eine Einordnung von Julian Daum und Melanie Böff

Illustration: Christopher Hirsch

Illustration: Christopher Hirsch

Was ist eine Wahl wert, bei der es nur einen Kandidaten zur Auswahl gibt? Oder bei der ein Sieger de facto schon vorher feststeht? – An der FU war das bei der jüngsten Präsidentenwahl Ende April 2014 der Fall: Der Erweiterte Akademische Senat (eAS) wählte Amtsinhaber Peter André Alt ohne Gegenkandidaten für weitere vier Jahre auf den höchsten Posten der FU. Ähnlich erging es der Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting, die zwar zwei Wahlgänge benötigte, aber ebenfalls konkurrenzlos im Amt bestätigt wurde.

Was in der Politik als Demokratiedefizit kritisiert werden würde, ist im Wissenschaftsbetrieb kein Einzelphänomen. Zwischen zwei Kandidaten für das Präsidentenamt konnte der Erweiterte AS zuletzt 1999 wählen. Auch an anderen Berliner Unis sind Wahlen mit einem Kandidaten eher die Regel als die Ausnahme.

Dass Alt konkurrenzlos ins Rennen ging, liegt nicht etwa daran, dass er als Einziger dafür qualifiziert wäre. Bewerben kann sich prinzipiell jeder. Auf Basis der Bewerbungen wählen die Mitglieder des Akademischen Senats und des Kuratoriums diejenigen aus, die zur Wahl vorgeschlagen werden. Transparent oder demokratisch ist dieser Vorgang nicht.

Hier setzt die Kritik des Professors und AS-Mitglieds Raul Rojas an, der dieses Jahr völlig überraschend für das Amt des Vizepräsidenten vorgeschlagen wurde. Rojas sitzt für die Liste „Exzellenz und Transparenz“ im AS, die in Opposition zur Liste „Vereinte Mitte“ von Präsident Alt steht. Den Vorschlag für das Vizepräsidenten-Amt hat er abgelehnt.

Unerwünschte Kandidaten ausgefiltert

Die Listen Vereinte Mitte, Liberale Aktion und Dienstagskreis, aus denen derzeit die Präsidiumsmitglieder stammen, bildeten feste Blöcke, die die Kandidaten vorab herausfilterten, kritisierte Rojas auf Nachfrage. So könnten sie Unerwünschte ausschließen. Eine listenübergreifende Diskussion, an der alle Statusgruppen teilhaben, finde nicht statt. „Dissens wird einfach nicht toleriert“, sagte er. „Viele im AS wollen lieber den Frieden wie auf dem Friedhof, statt ein Leben, wie in einem echten Parlament“, sagt er. Wichtige Entscheidungen würden nicht mehr gemeinsam im AS, sondern abseits des Gremiums gefällt.

Rojas‘ Bild seiner AS-Kollegen, die nur nach Eintracht streben, scheint jedoch nicht vollends zu stimmen. Das zeigte die Wahl der Vizepräsidentin Schäfer-Korting: Sie wurde erst im zweiten Wahlgang des Erweiterten AS im Amt bestätigt. Beunruhigen lässt sie sich davon nicht: „Über den ersten Wahlgang mache ich mir keine Gedanken“, sagte sie. Dass ihr Scheitern im ersten Wahlgang auch eine Kritik an ihrer Arbeit als Vizepräsidentin sein könnte, kommt ihr offenbar nicht in den Sinn.

Auch Alt zeigte sich unbeeindruckt. Für ihn sei es verständlich, wenn das amtierende Präsidium den Wunsch hat, erfolgreiche Arbeit auch weiterhin fortzusetzen. Rojas Liste würde nicht systematisch aus den Entscheidungen ausgeschlossen – politische Konstellationen könnten sich ständig ändern.

Der studentische Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Philipp Bahrt, kritisierte ebenfalls das „professorale Gesamtpaket“ im AS. Seine Nominierung gab Raum für hochschulpolitische Luftschlösser – ein Student als Vizepräsident! Absehbar, dass dies bei dem gegebenen Stimmenungleichgewicht im AS zulasten der studentischen Statusgruppe nur Träumerei bleiben würde. Trotzdem griff Bahrt in seinem Wahlprogramm die im Gremium herrschende Unzufriedenheit auf und versprach: „Ich möchte einen Austausch mit allen Statusgruppen auf den Weg bringen“.

In diesem Punkt scheinen sich Studenten und Präsidium einig zu sein. Denn auch das Präsidium bietet an: „Wir laden zur Kooperation ein und bieten Möglichkeiten für den Austausch in allen Sachfragen an“. Ihre jeweilige Auslegung dessen fällt vermutlich unterschiedlich aus und zeigt, wie weit die Mitglieder im AS voneinander entfernt sind.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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