„Wir sind Vize!“

Keine Sitzblockaden, keine Polizeieinsätze, keine Überraschungen. Dieses langweilige Semester hat keinen Rückblick verdient! Hannah Zabel zeichnet ein Semester nach, wie es stattdessen hätte sein können.

Montagskommentar (neu)April: Das Sommersemester beginnt mit einem Paukenschlag: Zwar wird Universitätspräsident Peter-André Alt im Amt bestätigt, aber nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwei Stimmen. Im Gegensatz zu den Präsidentenwahlen vergangener Jahre hat es diesmal mehr als nur einen Kandidaten gegeben. „Endlich eine Wahl, die ihren Namen auch verdient“, schreibt das Stupa in einer Erklärung. In einem spektakulären TV-Duell hatten sich die Kandidaten zuvor hitzige Wortgefechte geliefert.

Beim Thema Asta-Finanzen kommt es zu außerdem zu einer überraschenden Wende: Der seit langem geforderten Veröffentlichung des Haushaltsplans im Internet stimmt der Asta nun doch zu. Man wolle ein für allemal die Spekulationen beenden, heißt es dazu aus dem Asta-Finanzreferat. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten wertet diese Entscheidung als „Sieg über den Asta“, was wiederum zu einem heftigen rhetorischen Schlagabtausch im Stupa führt.

Das Ende der Mayonnaiseeimer

Mai: In den jahrelangen Streit um die Baumängel der Philologischen Bibliothek kommt endlich Bewegung: Nachdem ein vom Akademischen Senat eingesetzter Untersuchungsausschuss aus unabhängigen Experten ein Kollektivversagen von Bauunternehmen, Planungsbüro und Universitätsleitung festgestellt hat, beginnen die Umbaumaßnahmen am Dach. Die Tage der Mayonnaiseeimer-Barrikaden sind gezählt. Bis zum Abschluss der von Hartmut Mehdorn geleiteten Umbaumaßnahmen werden kostenlose Regencapes unter den Studierenden verteilt.

Juni: Der Akademische Senat trifft eine weitere wichtige Entscheidung: Nach 16 Jahren wird die provisorische Teilgrundordnung endlich durch eine echte Grundordnung ersetzt. Bis zuletzt hat es dabei heftige Auseinandersetzungen gegeben: Einzelne studentische Initiativen forderten, die Bezeichnung der Freien Universität als „F“U in der Grundordnung festzuschreiben, das Präsidium lehnte dies kategorisch ab. Es kommt zu Sitzblockaden und Massendemonstrationen. Erst als Heiner Geisler zwischen Präsidium und Demonstranten vermittelt, kommt es zu einer Einigung: Das FU bleibt auch weiterhin ohne Anführungszeichen, dafür wird der Kaffeepreis um 20% gesenkt.

Juli: Zum Semesterende vollführt die FU-Hochschulpolitik einen epochalen Kurswechsel: Philipp Bahrts Kampfkandidatur für den Posten des dritten Vizepräsidenten glückt. In einem erdrutschartigen Sieg erhält der Student 178 von 216 der abgegebenen Stimmen des erweiterten Akademischen Senats. Unter frenetischem Jubel wird er von seinen Anhängern aus dem Senatssaal getragen. „Ein neues Zeitalter ist angebrochen“, erklärt Bahrt nach seinem Sieg. Das FU-Leitmedium FURIOS titelt: „Wir sind Vize!“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.