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Kunst für Alle

Über Kunst Lebenskompetenzen vermitteln – das wollen drei FU-Studentinnen mit ihrem Projekt „Kiezsprossen“ erreichen. Mit verschiedenen Künstlern gestalten sie Workshops für sozial benachteiligte Jugendliche. Von Friederike Deichsler

Kiezsprossen

Die FU-Studentinnen Lena, Sandra und Anna (von links). Foto: Privat

Es war Anna Sharifi, die die Grundidee mitbrachte. Sie sagt, sie sei allgemein frustriert über die gesellschaftliche Situation gewesen und habe überlegt, was man unternehmen könne. Dabei sei ihr eines klar geworden: „Man muss gar nicht irgendwohin reisen, um etwas zu verändern. Im eigenen Kiez gibt es genug zu tun.“ So entstand der Plan, ein Angebot für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen zu schaffen.

Beim Funpreneur Wettbewerb im Wintersemester 14/15 lernte die FU-Studentin dann Sandra Laur und Lena Bünger kennen. Gemeinsam arbeiteten sie an der Idee weiter und erkannten Kunst als eine Möglichkeit, um eigene Stärken auf spielerische Art und Weise zu entdecken. Daraus entwickelten sie schließlich ein konkretes Konzept: „Kiezsprossen“ war geboren. Die drei engagieren Künstler aus den Bereichen Schauspiel, Tanz, bildender Kunst oder Gesang und bieten mit ihnen kostenlose Workshops für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren an, in denen sie sich und ihre Fähigkeiten ausprobieren können. Zurzeit gibt es ein Angebot des Rappers LMNZ in einer Grundschule in Berlin Reinickendorf, bei dem die Teilnehmer ihre eigenen Texte schreiben und vertonen.

„Wir hätten auf jeden Fall weitergemacht“

Es gehe vor allem darum, Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln, erklärt Sandra. Sie erinnert sich an ein Mädchen, das ihr bei einem der Workshops erzählte, wie gern sie Künstlerin werden würde. Und gleich hinterherschob: „Aber das schaffe ich eh nicht.“ „Es ist schade, wenn Kinder schon in dem Alter so eine Einstellung haben“, sagt Sandra. Besonders Kindern aus benachteiligten Verhältnissen fehlt oft der familiäre Rückhalt, eine Unterstützung für all ihre Wünsche ist meist einfach nicht möglich. Deshalb sollen gerade sie sich kreativ ausprobieren und lernen, an ihre Zukunft zu glauben.

Finanziert werden die Workshops derzeit noch über Spenden, beziehungsweise das Preisgeld des Funpreneur-Wettbewerbs, bei dem „Kiezsprossen“ den dritten Platz belegte. Die drei Studentinnen freuen sich über die Anerkennung und über die Möglichkeit, in neue Angebote zu investieren, stellen aber klar, dass sie so oder so mit ihrem Projekt weitergemacht hätten.

Für die Zukunft denken sie über eine neue Finanzierungsart nach, bei der wohlhabendere Eltern für die Workshops bezahlen, um sozial benachteiligten Jugendlichen die kostenfreie Teilnahme zu ermöglichen oder in weitere Kurse investieren zu können. Außerdem hoffen sie auf Unterstützung aus einem staatlichen Fördertopf. Auf jeden Fall sollen die Künstler weiterhin eine Vergütung für ihr Engagement erhalten. Das sei für sie eine Frage des Respekts, sagt Anna, denn „sie geben so viel von sich.“

Optimistische Zukunftspläne

Bisher sind Anna, Sandra und Lena sehr zufrieden mit der Entwicklung ihres Projekts. Sie sind auch davon überzeugt, dass es nach ihrem Studium weitergeht mit „Kiezsprossen“. Zurzeit sei die Doppelbelastung hoch, aber die Begeisterung der Jugendlichen motiviere immer wieder aufs Neue.

Die drei haben ambitionierte Pläne. Sie wollen sich im pädagogischen Bereich weiterbilden und zum Beispiel in Schulen gehen, sich den Kunstunterricht anschauen, um daraus für ihre eigenen Angebote zu lernen. Außerdem soll „Kiezsprossen“ weiterwachsen. „Wenn das mit der Finanzierung geregelt ist, würden wir gern noch mehr und am liebsten auch parallele Workshops anbieten können“, sagt Anna. Außerdem können sie sich vorstellen, ihr Projekt auszuweiten und auch außerhalb von Berlin, irgendwann vielleicht in ganz Deutschland vertreten zu sein.

 

Weitere Infos zum Projekt „Kiezsprossen“ findet ihr unter folgenden Links:

www.facebook.com/kiezsprossen
www.betterplace.org/de/projects/23310

Der 18. Funpreneur Wettbewerb startet am 21. April 2015, 18.15 Uhr im Seminarzentrum Raum L115, Otto-von-Simson-Str.26.

 

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