Die mit den roten Mänteln

Ho, ho, ho! Wer nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubt, sollte mal beim Studentenwerk Berlin vorbeischauen. Jedes Jahr werden hier zahlreiche von ihnen ausgebildet. Karolin Tockhorn über einen Job der besonderen Art.

Das wichtigste Werkzeug des Weihanchtsmanns ist sein goldenes Buch. Foto: Karolin Tockhorn
Das wichtigste Werkzeug des Weihnachtsmanns ist sein goldenes Buch.
Foto: Karolin Tockhorn

Rote Mäntel, lange Bärte, weißer Samt und Sternenstaub – pünktlich zum Auftakt der Weihnachtssaison verwandelte sich das Studentenwerk vergangenen Samstag in eine funkelnde Weihnachtswerkstatt. Nachdem sie in ihrer Ausbildung zum Weihnachtsmann oder Engel in Workshops alles rund um die Bescherung gelernt hatten, erhielten 35 Studierende der Berliner Universitäten bei der jährlichen Vollversammlung ihr Zertifikat. Neben den frischgebackenen Bescherungshelfern sind bereits über 100 erfahrene Weihnachtsmänner und Engel aktiv. Kein Wunder, denn das weihnachtliche Schaffen hat im Studierendenwerk Tradition: Bereits seit 1949 werden Studierende als Weihnachtsmänner für den Heiligen Abend vermittelt, seit den 80er Jahren stehen ihnen die Engel zur Seite. Seither können Weihnachtsmann und Engel von Familien sowohl solo als auch als Paar gebucht werden.

Schauspieltalent und Improvisationsgeschick

Das Studentenwerk legt bei der Vermittlung seiner Engel und Weihnachtsmänner viel Wert auf Qualität. Besonders wichtig ist dabei das Feingefühl im Umgang mit Kindern, denn um sie soll sich schließlich am Heiligen Abend alles drehen. Zudem beschäftigt sich ein Großteil der Ausbildung damit, die schauspielerischen Fähigkeiten und das Improvisationsgeschick der angehenden Weihnachtsleute zu optimieren. Leiterin Julia betont: “Vor lauter Aufregung und Vorfreude können die Kinder an Weihnachten nämlich unberechenbar sein.“ Die Fähigkeit, schnell und sensibel reagieren zu können, sei daher unerlässlich. Außerdem muss alles bis ins kleinste Detail geplant sein. Das fängt bereits beim Austüfteln der weihnachtlichen Route an: Eine Tour umfasst im Schnitt etwa 11 Besuche, idealerweise bei Familien, die im selben Bezirk wohnen. Anstatt des Rentierschlittens setzen die Studierenden hierzu ihre eigenen PKWs oder Fahrräder ein. „Letztes Mal hatte ich sogar einen Fahrer, das war eine ziemliche Erleichterung.“, erzählt Julia, die schon seit Jahren an dem Programm teilnimmt.

Das allerwichtigste Werkzeug der Weihnachtsmänner und Engel jedoch sei das „goldene Buch“, erklärt der ebenfalls sehr erfahrene Weihnachtshelfer Gustav, der dieses Jahr schon zum sechsten Mal die Kinder beschert. Im goldenen Buch werden alle wichtigen Informationen über die Kinder notiert, die zwei Wochen vorher telefonisch mit den Eltern besprochen wurden. Dazu gehören unter anderem Name, Alter, Hobbys, beste Freunde und Lieblingsfächer. Das Weihnachtspersonal erfährt außerdem, wie es ins Haus kommt, wo der Jutesack versteckt ist, oder welche Lieder gesungen werden sollen.

Ein Job, der sich lohnt

Indes gehört die Rute nicht zum Equipment, denn unter dem Christbaum soll es ausschließlich Lob und Zuspruch geben. Die glänzenden Kinderaugen bei der Bescherung machen viel von dem Stress am Weihnachtsabend wieder wett. Das findet auch Leyla, die Grundschullehramt an der FU studiert und dieses Jahr zum ersten Mal dabei ist. „Außerdem macht die Schulung viel Spaß und man lernt nette Leute kennen“, fügt sie hinzu. Neben der nicht geringen Aufwandsentschädigung von durchschnittlich 530 Euro, die am Heiligabend zusammenkommt, steht also ganz klar der Spaß an der Sache im Vordergrund. Und für das Lächeln eines Kindes, lohnt sich die Aktion allemal.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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