Cafete – diesmal endgültig?

Einem studentischen Cafe am Biologie-Institut droht der Abriss, Protest ist wegen der Coronakrise kaum möglich. Philipp Gröschel hat nachgefragt, warum ausgerechnet jetzt geräumt werden soll.

Auf den Bauplänen des Instituts taucht der kleine Kasten gar nicht auf. Bild: Philipp Gröschel

Der Campus ist in diesen Zeiten so leer wie selten, die meisten Gebäude werden nicht geöffnet und auch das Institut für Pflanzenphysiologie ist abgeschlossen. Trotzdem kann man durch die großen Glasscheiben des Gebäudes, unweit des Botanischen Gartens, das große Foyer sehen. Darin steht ein kleiner Kasten, etwa so groß wie ein Campingwagen, unter den Studierenden der Biologie bekannt als Cafete. Um diesen Kasten entfacht derzeit ein Streit, der bis ins Abgeordnetenhaus reicht und einmal mehr die Grenzen studentischen Freiraums an der Uni auslotet.

Brandschutz bleibt Brandschutz

Vor Corona lud die Cafete zum „gemütlichen Beisammensein und gegenseitigen Austausch ein“, sagt Janis, einer der Vertreter des Cafés. Nun aber soll der Bau, der während des Studierendenstreiks 1976/77 besetzt wurde, abgerissen werden. Laut der Technischen Abteilung (TA) der FU, die für Baumaßnahmen am Campus zuständig ist, stellt die Cafete ein Brandschutz-Risiko dar. Daraus folgte das Ultimatum: die Unileitung muss die Cafete entweder „ertüchtigen“ oder „entfernen“, also brandschutztechnisch aufrüsten oder abreißen. Ein Sprecher der TA sagt dazu: „Aus wirtschaftlichen Erwägungen hat sich die TA dazu entschlossen, den Einbau abzubrechen.“ Eine Renovierung des Raumes sei um ein Vielfaches teurer als der Abriss. Der TA zufolge wurde der Einbau nie offiziell genehmigt, zum anderen habe sich nun auch die Bauaufsicht eingeschaltet und eine Frist gesetzt, um die Mängel zu beseitigen.

Von den Brandschutzmängeln hätten sie schon immer gewusst, dennoch wurde die Cafete bisher geduldet, sagt Janis. Die Mitglieder*innen der Cafete sehen den Brandschutz durch ihre Einrichtung nicht mehr gefährdet als durch Tische oder Blumenkübel. Die Verwaltung hat der Cafete zwar einen Alternativraum angeboten, der sogar größer sein soll als der Kasten im Foyer. Dieser werde aber bereits von der FSI Biologie genutzt, erklärt Janis. Auch sei die Cafete durch ihre Stellung im Foyer gut sichtbar für alle Studierenden und ein „Zeichen für die studentische Mitbestimmung“.

Protest in Stupa und Abgeordnetenhaus

Kritik dagegen äußert sich zwar auf Twitter, eine Besetzung hingegen ist wegen Corona ausgeschlossen. Zwar spielt das zum Vorteil der TA, doch dass es so geplant wurde bestreitet der Sprecher. Ihm zufolge sei die Frist durch die Bauaufsicht bestimmt worden.

Der Fall hat mittlerweile Wellen bis ins Stupa geschlagen, das sich nun mit dem Anliegen der Betreiber*innen der Cafete befassen will. Selbst im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses soll der Fall kurz zur Sprache gekommen sein. Trotzdem läuft für die Mitglieder*innen der Cafete die Frist zur Räumung Ende Mai aus. In zwei bis drei Monaten soll laut Plänen der TA mit dem Abriss begonnen werden. Mehr als an dem Raum hängen sie am Konzept „Cafete“, sagt Janis. Falls sie nun räumen müssen, wollen sie das Projekt anderswo fortsetzen.

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