Reboot, Reunion, Remake

Es scheint, als wäre eine neue Ära des Entertainments angebrochen. Mit der Harry-Potter-Reihe im Angebot hat die Streaming-Plattform Netflix einen sehnlichen Wunsch ihrer Abonnent*innen erfüllt. Wie das in eine Reihe von wiederkehrenden Fernseh- und Kinoprogrammen passt, schreiben Alicia Homann und Insa Birkenhagen.

Die Medienlandschaft scheint zurzeit trist. Foto: Pexels/Anete Lusina

Nostalgie ist per Definition des Duden eine „vom Unbehagen an der Gegenwart ausgelöste, von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit, die sich in der Rückwendung zu einer vergangenen, in der Vorstellung verklärten Zeit äußert“. Genau diese sehnsuchtsvolle Gestimmtheit  macht sich die Film- und Fernsehindustrie zunutze, indem sie auf die durch die Corona-Krise eh schon angeschlagene Gemütslage der Zuschauer*innen abzielt, die sich nach zwei Jahren Pandemie nach Normalität und Vertrautem sehnen. Die Devise lautet: Reboot, Reunion, Remake! 

Streaming-Anbieter auf dem Weg nach Hogwarts 

Bereits elf Jahre sind vergangen, seit der letzte Harry-Potter-Film über die Kinoleinwände geflimmert ist. Trotzdem ist die Begeisterung für das Fantasy-Universum nicht abgerissen. Seit Neujahr sind die Kultfilme nun auf der Streaming-Plattform Netflix verfügbar. Nur ein paar Tage nach der Veröffentlichung wurde eine erneute Preiserhöhung des Premiumtarifs in den USA angekündigt. Wie man in den letzten Jahren beobachten konnte, ist dies nun auch in Europa zu erwarten. Als einer der wenigen Streaming-Dienste, die die  Lizenz für Harry Potter besitzen, kann sich Netflix bei einem Großteil seiner Nutzer*innen auf der sicheren Seite wissen. Was sind schon zwei Euro mehr im Monat, wenn man mit ein paar Klicks in Erinnerung schwelgen kann?

Auch  die Plattform Sky wartet mit Harry-Potter-Nostalgie auf: Nachdem sie im Jahr 2021 eine Zahl an Rechten, unter anderem die der Champions League, verloren hatte, kommt Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts wie gerufen. Indem den Darsteller*innen und Regisseur*innen ein Ort gegeben wird, um die Produktion der einzelnen Filme Revue passieren zu lassen, beschenken sie Fans auf der ganzen Welt mit neuen Einblicken hinter die Kulissen. Wie war es für Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, gemeinsam am Filmset aufzuwachsen? Welche gemeinsamen Momente der bereits verstorbenen Darsteller*innen (unter anderen Alan Rickman und Helen McCrory) haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Welche Anekdoten gibt es noch zu erzählen? Um eine hohe Zuschauer*innenzahl zu sichern, wird das Ganze vor allem auf Instagram mit einer großen Werbekampagne unterstützt, zu finden unter dem Hashtag #ReturntoHogwarts. 

Hollywood pokert (zu) hoch 

Auch im Kino wird auf Altbewährtes gesetzt. Dass dies nicht immer gut geht, zeigt Hollywood. Ende Dezember feierte der Film Matrix Resurrections Premiere, damit kommt die Matrix-Reihe nach langer Zeit zurück in die Kinos. Erhofft wurde sich im Vorhinein viel: Ganze 190 Millionen US-Dollar wurden in die Produktion gesteckt und bei jedem Kinofilm besteht die Erwartung, mindestens die Ausgaben durch das Box Office, also die Ticketverkäufe, wieder einzuspielen. Im Fall von Matrix Resurrection liegen die Einnahmen jedoch noch knapp 50 Millionen US-Dollar unterhalb der Grenze. 

Man könnte meinen, Fans der Serie würden lieber an dem Kult der ersten Filme festhalten, anstatt sich mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen. Allerdings wird der vierte Matrix-Teil sowohl von vielen Kritikern als auch privaten Personen im Netz zerrissen. So wollten die Wachowski-Geschwister die Serie ursprünglich nicht weiterführen. Allerdings ließ sich Lana Wachowski von Warner Bros. überreden, für den vierten Teil die Regie zu übernehmen. Es wäre wohl angebracht gewesen, die Vergangenheit ruhen zu lassen.    

Wetten, dass wir das schon kennen?

Etwas weniger riskant erscheint da die Wiederkehr alter Formate in das Fernsehprogramm. Sowohl TV total als auch Wetten, dass..? sollen mit neuen Inhalten die Quoten sichern. Zwar steht mit Sebastian Pufpaff ein neuer Moderator vor der Kamera, mit dem Revival von TV total werden nun aber wieder regelmäßig die Schlagzeilen und Pannen der Medienwelt auf die Schippe genommen. Bei Wetten, dass..? sieht das etwas anders aus. Mit der ersten Wiederausstrahlung nach sieben Jahren sollte vor allem die Glanzzeit der Wett-Show samt Langzeitmoderator Thomas Gottschalk imitiert werden. Und das mit Erfolg. So wurden bereits weitere Sendungen für 2022 und 2023 angekündigt.  

Fest steht: Nach Monaten der Instabilität sowohl für das Publikum zu Hause als auch für die Medienbranche scheint eine Art Trend des Reboots angebrochen zu sein. Der Produktion soll dies Einnahmen generieren, den Zuschauer*innen eine Prise Nostalgie einhauchen. Angefangen bei Streaming-Anbietern bis hin zum Kino- und Fernsehprogramm soll dabei jede*r Einzelne abgeholt werden. Dies gelingt manchmal besser, manchmal schlechter. Die Langlebigkeit ist hierbei jedoch fraglich. So ist ein gelegentliches Aufkommen von Nostalgie angenehm, der Blick in die Zukunft auf lange Sicht aber deutlich interessanter. Es ist zu hoffen, dass es sich hier nur um eine Phase handelt und bald wieder neue Innovationen im Fokus stehen.

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