Von Fast Fashion und Feminismus

Eine Uni-Initiative veranstaltete Aktionstage zu Nachhaltigkeit, Fast Fashion und Feminismus. Was das alles miteinander zu tun hat, hat Antonia Böker für euch herausgefunden.

Die Fast Fashion Industrie, inszeniert von SUSTAIN IT! Foto: Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT!

Es sah anders aus nach Ostern, im Foyer der Mensa II. Plötzlich standen dort Sofa, Tisch und Sessel, und rings herum Kisten und Kleiderständer mit Klamotten. Was anmutete wie das Inventar eines der WG verwiesenen Studis, war der Kleidertausch der FU-Initiative Sustain It. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, Nachhaltigkeit an die Uni zu bringen. Anlässlich der diesjährigen Fashion Revolution Week widmete sie sich diesmal mit zwei Aktionstagen der Frage, wie Fast Fashion, Feminismus und Nachhaltigkeit zusammenhängen.

Was Fast Fashion nun mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist schnell erzählt. Fast Fashion, das ist schnelle Mode. Ein Geschäftsmodell also, nach dem heute weltweit die Modeindustrie funktioniert. Kleidung wird schnell und billig produziert, um möglichst ständig konsumiert zu werden. Die Kleidungsindustrie verbraucht somit Unmengen an Ressourcen – und sei einer der schlimmsten Umweltverschmutzer, schilderte Sustain It-Mitglied Eva.

Und mit Feminismus? Eine ganze Menge. Die gesamte Fast-Fashion-Industrie fußt auf der Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte. Und das sind beinahe ausschließlich Frauen und Mädchen aus nicht-westlichen Ländern. Sie befinden sich dabei in vielerlei Hinsicht in Ausbeutungsverhältnissen. Ihre Arbeit wird nicht nur schlecht bezahlt, sondern  findet auch unter grausamen Bedingungen statt – in vielen Fabriken gehörten Belästigung und Gewalt zum Alltag, erklärte Eva.

Faire Mode ist also unbedingt ein feministisches Thema. Eva glaubt: Dafür fehle häufig die Wahrnehmung. Das liege auch daran, dass wir vollkommen den Überblick darüber verloren haben, wer unsere Kleidung herstellt. Mittlerweile, sagte Mitorganisatorin Julia, seien Produktionsketten viel zu intransparent. Am Ende trügen dann Feminist*innen Shirts, die sie als solche auszeichnen – und unter miserablen Bedingungen von Frauen gefertigt wurden. Julia hält es deshalb für wichtig, zu reflektieren: Wie weit geht unser Feminismus?

Nachhaltigkeit lernen

Bekanntlich ist aber aller Anfang schwer. Ziel der Initiative ist darum nicht, die Studierenden zu belehren – sondern Nachhaltigkeit alltagstauglich zu machen. Nachhaltige Modeentscheidungen treffen, erläuterte Eva, das heißt: überhaupt weniger kaufen, lieber Second-Hand oder als fair ausgezeichnete Marken – oder eben tauschen. Dann muss weder etwas weggeschmissen, noch neu gekauft werden, und neue Teile gibt es trotzdem. Das Herzstück der Aktionstage war deshalb auch der zweitägige Kleidertausch. Ganz unkompliziert konnten Studis zwischen Seminar und Mensa Klamotten am Aktionsstand abgeben oder mitnehmen. Die Organisator*innen wollten so zeigen: Viel braucht es nicht, um nachhaltiger zu werden.

So denken Studis

Dem Anschein nach ist diese Botschaft bereits angekommen. Immer wieder blieben Studierende am Stand stehen, schauten sich um, stellten Fragen. Interesse für das Thema haben viele von ihnen. Einige setzen dieses auch schon länger um. Matthias ist Student und berichtet, er habe das letzte Mal vor fünf Jahren ein neues Kleidungsstück gekauft. Er und seine Freundin sammeln ihre Klamotten tatsächlich hauptsächlich bei Tauschveranstaltungen. Auch Kristina tauscht ganz regelmäßig mit Freund*innen. Bei Babyklamotten mache man das zum Beispiel doch ganz selbstverständlich – warum nicht auch mit Erwachsenenkleidung? Second-Hand-Kleidung zu kaufen scheint überhaupt beliebt unter den FU-Studis. Viele berichteten, so regelmäßig einzukaufen. Eine Studentin hat dafür auch einen Geheimtipp: Statt im Mauerpark mal auf Provinzflohmärkten vorbei schauen. Dort gäbe es die besten Schnäppchen.

Andere haben trotz Interesse Probleme, Nachhaltigkeits-Maßnahmen durchzusetzen. Studentin Christina zum Beispiel findet Nachhaltigkeit wichtig. Sie gab aber zu bedenken, dass faire Marken und mitunter auch Second-Hand-Kleidung nun einmal teurer sind. Nachhaltigkeit sei deshalb auch eine Frage des Geldes. In Kleidungsfragen nachhaltig zu sein findet FU-Studi Tiffany schwieriger für Menschen, deren Körper nicht der Norm entsprechen. Den Kleidertausch halten aber auch sie für eine sinnvolle Sache – und würden so etwas jetzt öfter probieren.

Mehr Informationen zu „Sustain IT!“ findet ihr hier und auf Facebook.


Autor*in

Antonia Böker

Antonia Böker ist pathologische Klugscheißerin. Deswegen probiert sie es jetzt mal mit Journalismus.

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