Chinas langer Geldhahn nach Westen

Wieso es ein Problem sein kann, wenn eine Professur an der FU von der chinesischen Regierung bezahlt wird. Ein Essay von Matthäus Leidenfrost.

China
Die Volksrepublik China gewinnt an Einfluss – auch an deutschen Hochschulen. Bild: unsplash.com

„Hinter scheinbar harmlosen Teezeremonien und Sprachkursen versteckt sich die eiskalte Propaganda eines autoritären Regimes. Das hat an unseren Hochschulen nichts verloren“, sagt der FDP-Bildungsexperte Jens Brandenburg über die Konfuzius-Institute. Diese stehen immer wieder in der Kritik, als Kultureinrichtungen getarnt, die Öffentlichkeit im Sinne des chinesischen Staates zu beeinflussen. Ob er mit dieser pauschalen Verurteilung recht hat oder nicht – es lohnt sich einen Blick darauf zu werfen, wie der chinesische Staat Einfluss auf deutsche Universitäten ausübt, besonders weil gerade publik wurde, dass die FU sich eine Professur vom chinesischen Staat bezahlen lässt. 

Konfuzius-Institute sind Kooperationen zwischen der chinesischen Dachorganisation “Hanban”, die dem zentralen Propaganda-Department der Kommunistischen Partei Chinas unterstellt ist und einer Universität. Ihre Aufgabe ist die „Förderung der Kenntnis der chinesischen Sprache und Kultur im Ausland”. Konkret bieten sie vor allem Sprachkurse und Vorträge an. Ein solches Institut gibt es auch an der FU – das erste von mittlerweile 19 deutschlandweit. 

Wissenschaftsfreiheit unter Druck

Strategie des chinesischen Staates ist es, durch die Vermittlung von Sprache und Kultur das Verständnis von chinesischen Interessen im Ausland zu erleichtern. Das ist an sich auch nicht ungewöhnlich: Auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien verfolgen mit ihren Kulturinstituten einen ähnlichen Ansatz. Allerdings handelt es sich dabei um demokratische Staaten und nicht um ein autoritäres Regime.

Durch die Finanzierung aus China entsteht ein indirektes Druckmittel, da diese jederzeit entzogen werden kann, wenn dem Ansehen Chinas im Ausland Schaden zugefügt würde, was wohl auch Debatten zu unangenehmen Themen umfasst. Auf der Website der Dachorganisation finden sich Statuten, die klar darauf hinweisen, dass die Inhalte einer gewissen Kontrolle unterliegen.

Deshalb ist das Thema hochsensibel, das zeigt die aktuelle Debatte an der FU: Peking stiftet dem hiesigen Institut für Sinologie eine Professur, berufen wird Andreas Guder. Anders als etwa bei der Einrichtung von Lehrstühlen durch die Deutsche-Telekom-Stiftung, erwähnte die FU den Geldgeber bei der Meldung zur Berufung jedoch nicht. 

Professur von Xi Jinpings Gnaden?

Der FU-Alumni David Missal richtete deshalb einen offenen Brief an das Bundesbildungsministerium, die Landesregierung und das FU-Präsidium, den einige Student*innen und Alumni unterschrieben haben. Darin wird besonders auf die mögliche Einflussnahme durch die finanzielle Abhängigkeit hingewiesen und unter anderem bezüglich der neuen Professur gefordert, die Vertragsinhalte zwischen Hanban und der FU offenzulegen und den Vertrag sofort zu beenden.

Im Gespräch zeigt sich David, der selber mehrere Jahre in China gelebt hat und aufgrund seiner Recherchen zu Menschenrechtsanwält*innen letzten Sommer ausgewiesen wurde, besorgt: „Im Gegensatz zu den Konfuzius-Instituten, deren Veranstaltungen man ja freiwillig besucht, ist eine Professur eine andere Dimension. Dann kann man sich dem nicht mehr entziehen, wenn man sein Studium abschließen möchte.“ 

So müssen nicht nur die von der chinesischen Seite entsandten Mitarbeiter*innen überdenken, was sie sagen können und was nicht. Da sich die chinesische Seite vorbehält, den Vertrag mit der FU jederzeit zu kündigen, kann also durchaus Druck auf die Person entstehen, die auf diesen Lehrstuhl berufen wird. Dann kann es immer schwieriger werden unangenehme Themen an dem Institut zu behandeln und das wäre tatsächlich einer Universität, die das Freie schon im Namen trägt, nicht würdig.

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