Endlich wieder in den Club …?

Der Bass dröhnt, das Strobolicht flackert, schwitzende Menschen dicht an dicht gedrängt. Ein Corona-Fiebertraum? Nein, ein ganz „normaler“ Clubbesuch nach knapp 1,5 Jahren Feierabstinenz. Larissa Sophie Römer und Laura Kübler über das Clubbing in Corona-Zeiten.

Die Schlange vor dem Berghain am Samstagabend. Foto: Larissa Sophie Römer

Berlin ist zurück. Berlin, das sich selbst gern „Techno-Hauptstadt“ nennt, lebt vom Nachtleben und Partytourismus. Vielen Menschen ging durch die Schließung der Clubs ein Stück Lebensqualität verloren. Und auch die Tanzstätten selbst litten stark unter den Dauerschließungen. Die meisten Veranstalter*innen überlebten nur mithilfe von Fördergeldern und Hilfsprogrammen.

Am 31. August 2021 wurde dann die frohe Botschaft verkündet: Die Berliner Clubtüren dürfen wieder öffnen. Ein bisschen fühlt es sich an, wie noch einmal den 18. Geburtstag zu feiern. Was in der Theorie aufregend klingt, ist in der Praxis ambivalent zu bewerten. Denn noch immer befinden wir uns mitten in einer Pandemie. 

Zwischen Partyhype und Impfnachweis

Wer feiern gehen will, muss zwar keine Maske tragen, aber die 2G-Regel beachten. Heißt also: Nur vollständig geimpften oder genesenen Personen wird der Einlass gewährt. In Deutschland sind derzeit rund 67 Prozent der Bevölkerung geimpft, trotz vorhandenen Impfstoffs. Auch unter jungen Partygänger*innen gibt es solche, die eine Impfung ablehnen oder Corona leugnen. Nachlässige Einlasskontrollen werden ausgenutzt: Immer häufiger machen gefälschte Impfpässe und Genesenenscheine die Runde. 

Mit Blick auf die stetig steigenden Inzidenzen kann ein solches Verhalten negative Folgen für alle nach sich ziehen. So infizierten sich bereits in der ersten Partynacht des beliebten Technoclubs Berghain vor gerade mal einem Monat 19 Personen mit Corona. Angesichts der sich wöchentlich überbietenden Inzidenzen kann angenommen werden, dass die Dunkelziffer in weiteren Berliner Clubs noch höher liegt. Auch Impfdurchbrüche sind nichts Neues mehr. Ganz sicher vor dem Virus ist man trotz 2G-Regel also nicht. 

Warten und zahlen

Trotz Sicherheitslücken, scheint der Hype groß zu sein. Auch nach dem Vorfall nehmen überwiegend schwarz gekleidete Partygänger*innen jedes Warten vor dem Berghain in Kauf. Die Clubschlangen sind länger denn je: Bis zu sieben Stunden stehen die Menschen an – den Mindestabstand schon längst vergessen –, um dann vielleicht doch aussortiert zu werden und durchgefroren den walk of shame nach Hause anzutreten. 

Haben sich die Wartezeiten aufgrund der zusätzlichen CovPass-Überprüfungen derart verlängert oder ist die partywütige Meute nach monatelangem Feierverbot größer geworden? So genau kann man es nicht wissen. Doch nicht nur die Wartezeiten sind drastisch gestiegen, auch das Eintrittsgeld schießt bei einigen Veranstalter*innen in die Höhe. So kann eine Nacht im Sisyphos derzeit schon mal um die 25 Euro kosten. Für Studierende nicht gerade ein Schnäppchen.

Und jetzt?

Die Vorstellung, stundenlang und ohne Abstand tanzen zu gehen, ist verlockend. Die Nostalgie schlägt bei einigen in Vorfreude um – und gemeinsam werden Pläne für das Wochenende geschmiedet. Endlich wieder bei Sonnenaufgang mit müden Augen, aber voller Glück aus dem Club stolpern, der Eintrittsstempel schon längst verwischt. 

Aber wenn man ehrlich ist, schwebt die Corona-Wolke zumindest im nüchternen Zustand noch über einigen Köpfen; ein bitterer Beigeschmack von Sorge, wenn man zwischen lauter Fremden steht. Zum einen möchte man die Pandemie hinter sich lassen und zum anderen steigen die Fallzahlen. In der aktuellen Berichterstattung wird über einen erneuten Lockdown spekuliert. Spätestens jetzt ist das schwierige Gleichgewicht zwischen Spaß und Verantwortung kaum noch zu halten.

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