Affäre um FU-Kanzlerin Bör: Veröffentlichte Dokumente geben neue Einblicke

Ein Alleingang von Kanzlerin Andrea Bör stürzte die FU im letzten Jahr in die Krise. Nun geben veröffentlichte Dokumente Einblick in die Vorgänge. Valentin Petri berichtet.

Hier kam es im vergangenen Jahr zum Machtkampf zwischen FU-Kanzlerin Andrea Bör und FU-Präsident Günter Ziegler: Das Präsidiumsgebäude in der Kaiserswerther Straße. Quelle: FU Stabsstelle Kommunikation und Marketing.

In der Affäre um FU-Kanzlerin Andrea Bör liegen nun erstmals öffentlich Dokumente vor. Der AStA der FU hatte die Unterlagen um die Beauftragung einer Personalagentur durch Bör zur Einsicht beantragt und nun auf dem Portal FragDenStaat veröffentlicht. Die teilweise geschwärzten Dokumente bestätigen die Vorwürfe gegen die Chefin der Univerwaltung, die auch der Akademische Senat (AS) im Dezember erhoben hatte.

Wie berichtet hatte Bör im Zuge der anstehenden Präsidiumswahlen im Herbst 2021 an allen Unigremien vorbei eine Personalagentur damit beauftragt, Kandidat*innen zu finden, die gegen den amtierenden FU-Präsidenten Günter Ziegler antreten sollten. Bör und Ziegler liegen seit Längerem im offenen Streit. Der AS missbilligte Börs Vorgehen nach Einsicht der nun veröffentlichten Dokumente. Eine Mehrheit der Gremienmitglieder entzog der Kanzlerin zudem das Vertrauen.

Kanzlerin und Personalagentur vereinbarten „absolute Geheimhaltung“

Die vorliegenden Dokumente geben Einblick in den genauen Ablauf der Vorgänge. Der angefragte Personaldienstleister verspricht in seinem Angebotsschreiben vom 22. September „höchste Vertraulichkeit“. Auch in der Vergabedokumentation der FU wird explizit auf die Notwendigkeit „absoluter Geheimhaltung“ hingewiesen. Begründet wird das mit der sehr starken Bedeutung und Wirkung der Wahl des*der Präsident*in nach Innen und Außen. Im Rahmen eines neutralen und fairen Besetzungsverfahrens sei der Ausschluss von kompromittierenden Informationsweitergaben absolut sicherzustellen.

Aus einem Schriftverkehr von Unipräsident Ziegler geht hervor, dass Präsidiumsmitglieder von der Einschaltung der Personalagentur Anfang Oktober erst auf Nachfrage eines Kuratoriumsmitglieds erfahren haben. In dem vorliegenden Schreiben stellt Ziegler gegenüber Bör klar, dass eine solche Beauftragung durch die im Verfahren beteiligten Gremien nicht legitimiert worden sei. Es sei nicht erklärbar, auf welcher Grundlage die Beauftragung der Personalagentur veranlasst und ein Vertrag abgeschlossen werden konnte.

Einige AS-Mitglieder wussten vom Vorgang

Ein weiteres Schreiben von Doris Kolesch, Sprecherin der größten Professor*innenliste Vereinten Mitte, legt nahe, dass Teile des AS Bör zur Beauftragung der Personalagentur aufgefordert oder zumindest Kenntnis von einem derartigen Vorgang hatten. Das räumten Mitglieder der Vereinten Mitte auch auf einer nicht-öffentlichen Krisensitzung im Herbst nach Bekanntwerden der Affäre ein.

Kolesch schreibt, sie habe Bör gebeten „zu prüfen, ob es im Kontext der anstehenden Präsidiumswahlen möglich wäre, externe Expertise bei der Identifikation und Ansprache möglicher Bewerbungen einzubinden.“ Dabei habe sie jedoch deutlich gemacht, dass eine solche Einbindung im Einvernehmen mit dem gesamten AS geschehen sollte. Gespräche hätten ergeben, dass eine Mehrheit der Listenvertreter*innen gegen die Einbindung externer Expertise sei. Abschließend bittet Kolesch die Kanzlerin von der Beauftragung der Personalagentur abzusehen oder bereits erfolgte Schritte rückgängig zu machen. 

Mehrere Tausend Euro bereits geflossen

Am 12. Oktober, also nach Bekanntwerden der Vorgänge, bittet die beauftragte Personalagentur mit Verweis auf „verschiedene kurzfristige Entwicklungen an der FU“ um Auflösung des Vertrags und kommt damit einer Vertragauflösung durch Bör zuvor. Trotzdem stellt der Dienstleister für die bereits erbrachten Leistungen einen in den Dokumenten geschwärzten Betrag in Rechnung. Zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen könnten keine Angaben zum Honor gemacht werden, teilt die FU-Pressestelle dazu auf Anfrage mit. Nach Informationen des Tagesspiegel handelt es sich um mehrere Tausend Euro. 

Seit Anfang des Jahres darf Bör ihr Amt als Kanzlerin auf Veranlassung der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft nicht wahrnehmen. Sie wird seither von Andrea Güttner, die bisherige Verwaltungsleiterin des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften, vertreten. Unipräsident Ziegler erhob bei der Senatsverwaltung bereits im letzten Jahr Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bör. Die FU und die Senatsverwaltung konnten zu dem laufenden Verfahren auf Anfrage von FURIOS keine weiteren Informationen geben. Eine Abwahl der Kanzlerin ist in der gegenwärtigen Rechtslage nicht möglich.

Autor*in

Valentin Petri

Verbringt seine Zeit gerne in stickigen und langwierigen Sitzungen und schreibt über Hochschulpolitik.

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